change language     -        


Stressfaktor: Wie Booking.com und Co die Nutzer zu unüberlegten Buchungen bringen

30 September 2019, 10:56

Konsum





news_image

Quelle Image:  https://www.mydealz.de/deals/lieferando-pramienshop-bookingcom-25-bookingcom-125mbw-gutschein-fur-50tp-20cb-1420694

 

Die Reisebranche setzt auf "Dark Patterns", um Kunden zu manipulieren. Britische Behörden erteilten Auflagen, in Österreich gibt es noch keine solchen Pläne

Wer öfters Reisen online bucht, der wird das kennen: Gerade noch will man in aller Ruhe ein Hotel buchen, da geht es schon los. "Nur noch zwei Zimmer übrig." "Fünf andere Personen sehen sich ebenfalls gerade dieses Hotel an." All das erzeugt Stress – entsteht doch unweigerlich die Angst, dass einem jemand ein echtes Schnäppchen vor der Nase wegschnappt und man dann entweder viel mehr Geld ausgeben oder ein schlechteres Hotel nehmen muss.


 

Dark Patterns

All das ist natürlich kein Zufall: "Dark Patterns" nennen sich solche Methoden. Ihre Aufgabe ist, die Nutzer dazu zu bringen, etwas zu tun, das sie eigentlich gar nicht wollen – oder zumindest nicht in Ruhe darüber nachzudenken. Solche Muster sind in der Softwarebranche weit verbreitet, etwa wenn es am Smartphone darum geht, die Nutzer zur Herausgabe sensibler Daten zu bringen. In kaum einer Branche werden sie aber so offensiv eingesetzt wie bei Reiseseiten. Wie das aussieht, soll im Folgenden anhand von Booking.com erläutert werden. Betont sei aber, dass der Anbieter hier nur ein besonders prominentes Beispiel darstellt, bei der Konkurrenz sieht es kaum besser aus.

 

Gleich ausverkauft

Es beginnt schon bei der ersten Suche nach einem Hotel. Wer durch die Ergebnisliste scrollt, dem wird schnell auffallen, dass Booking.com an dieser Stelle auch Hotels anzeigt, die an den gewählten Terminen bereits ausverkauft sind. Das erscheint auf den ersten Blick unlogisch, immerhin geht es ja darum, eine Transaktion abzuschließen, und das geht mit einem ausverkauften Hotel nur schwerlich. Doch der Sinn ist ganz ein anderer: Genau hier wird nämlich zum ersten Mal das Gefühl der Dringlichkeit erzeugt. Man hat etwas verpasst. Darum steht das da auch noch einmal ausgeschrieben. Insofern sollte man sich lieber beeilen, damit das nicht noch einmal vorkommt, so die implizite Message. Für wen auch das noch zu subtil ist, für den hat die Reiseseite in vielen Fällen den Holzhammer bereit. Nämlich indem die Nutzer – in der Signalfarbe Rot – darauf hingewiesen werden, dass die ausgewählten Termine extrem beliebt sind.

 





Ausgebuchte Ergebnisse in der Suche, um den Druck auf die Nutzer zu erhöhen – in Großbritannien ist das mittlerweile verboten.
Screenshot: STANDARD

 

Geht man dann auf die Detailansicht eines Hotels, wird der Stress weiter erhöht. Es eröffnet sich ein Meer an – natürlich ebenfalls in Rot verfassten – "Warnungen". Es seien nur mehr ein bis zwei Zimmer verfügbar, heißt es da etwa. Und das während sich gerade zehn andere Nutzer auch für dieses Hotel interessieren. Im Kopf der Nutzer entsteht langsam der Eindruck eines Wettlaufs um die letzten Zimmer. Verstärkt wird dies noch durch den Hinweis darauf, dass ein Angebot gerade gebucht wurde.

Auch hier soll die visuelle Umsetzung Dringlichkeit signalisieren, entsprechend werden solche Meldungen gerne in Form einer Art Benachrichtigung über der Seite eingeblendet – und zwar animiert. Das kennen die Nutzer schon vom Smartphone, die daraus resultierende Wahrnehmung: Hier passiert etwas in Echtzeit. In Wirklichkeit sind die vermeldeten Buchungen meist mehrere Stunden alt, Aktualität ist also nicht gegeben.

 

Preisvergünstigungen, die keine sind

Ebenfalls ziemlich kreativ ist der – natürlich ebenfalls in roten Lettern verfasste – Hinweis darauf, dass ein Angebot das billigste ist, das man zu einem gewissen Termin bisher auf Booking.com gesehen hat. Und zwar versehen mit dem prominenten Hinweis "Hauptgewinn!"

Wer daraus nun schließt, endlich das optimale Schnäppchen gefunden zu haben, der sollte besser noch einmal darüber nachdenken, was der Satz eigentlich aussagt. Nämlich nicht viel. Hat man selbst vorher auf teurere Angebote geklickt, stimmt diese Aussage logischerweise immer – sagt aber noch nicht, dass der betreffende Preis sonderlich günstig wäre. Genau genommen könnte man auch vorrechnen, dass diese Behauptung für das erste Hotel, das man sich im Verlauf einer Recherche ansieht, immer zutreffend ist.

 

Alarmstufe Rot. Nur mehr ein Zimmer vorhanden. Zwei andere Nutzer suchen auch gerade nach Hotels für dieses Datum. Alle anderen Zimmertypen sind schon ausgebucht. Noch dazu ein toller Preis! (Oder zumindest der am wenigsten teure, den man sich bisher angesehen hat).
Screenshot: STANDARD

Simple Motivation

All das wirft natürlich die Frage auf: Warum bedienen sich diese Seiten solcher Methoden? Die Antwort darauf ist eine simple: Weil es funktioniert. Der über all diese Methoden aufgebaute Druck führt dazu, dass die Kunden schneller handeln und so auch Buchungen abschließen, die sie bei genauerer Recherche nicht vorgenommen hätten – also etwa nur die vorteilhaften Bewertungen lesen, die die Seite gezielt in den Vordergrund rückt.





Aus Sicht des Plattformbetreibers ist dieses Ansinnen natürlich verständlich, immerhin will man, dass auch weniger gute Angebote ihre Abnehmer finden. Die Kunst dabei ist, die richtige Balance zu finden, um zu verhindern, dass die Nutzer die Plattform verärgert verlassen, weil sie sich manipuliert fühlen. Angesichts des anhaltenden Erfolgs von Booking.com scheint dies den Webseitenentwicklern gut gelungen zu sein.

 

Regulation

Von selbst wird sich an diesem Zustand also wenig ändern, bleibt eigentlich nur die Hoffnung auf eine steigende Sensibilisierung in Hinblick auf "Dark Patterns" – vor allem bei jenen, die hier regulierend eingreifen könnten. Und tatsächlich kommt hier zumindest international langsam Bewegung in die Sache. So gelten etwa in Großbritannien seit 1. September neue Vorschriften, die Hotelbuchungsseiten einen Teil dieser Tricks explizit untersagen.

Dazu zählt etwa die erwähnte Anzeige von ausgebuchten Hotels in den Suchergebnissen. Auch der Hinweis, dass jemand anderer gerade das gleiche Hotel betrachtet, ist nur mehr dann erlaubt, wenn es sich auch tatsächlich um dieselben Reisedaten handelt.

 

Reaktion

In Österreich werden die kritisierten Methoden hingegen vorerst weiterhin verwendet. Ob hier ebenfalls Änderungen geplant sind, bleibt vorerst offen. Auf die Fragen des STANDARD zu diesem anderen konkreten Punkten hat Booking.com nämlich nur mit einem allgemein gehaltenen Statement reagiert. Darin betont das Unternehmen, dass man stets kontinuierlich daran arbeite, die eigenen Dienstleistungen zu verbessern. Zu diesem Zweck arbeite man eng mit Behörden wie der CMA zusammen, um branchenweite Verbesserungen zu finden. Das vollständige Statement findet sich im Anschluss an den Artikel.

Bei heimischen Konsumentenschützern scheint die Problematik jedenfalls noch kein sonderlich großes Thema zu sein. Der Verein für Konsumenteninformation (VKI) verwies zu diesem Thema auf das Europäische Verbraucherzentrum. Dort zeigte sich eine Sprecherin im Gespräch allerdings nicht sonderlich besorgt über solche Methoden. Immerhin gebe es bei Plattformen wie Booking.com zumindest in vielen Fällen ein Rücktrittsrecht, was bei Einkäufen oder der Flugbuchung oftmals nicht der Fall sei, so das Argument.

 

Solche Einblendungen werden gerne animiert dargestellt, um das Gefühl eines aktuellen Ereignisses zu erzeugen.
Screenshot: STANDARD

 

Konsumentenschutz

Gesprächiger gibt sich hingegen die Konsumentenschutzabteilung im Sozialministerium. Dort verweist man in einer Stellungnahme darauf, dass einzelne dieser Praktiken – etwa Behauptungen über Knappheit der Angebote – schon jetzt einen Verstoß gegen das Bundesgesetz gegen den unlauteren Wettbewerb darstellen könnten.





Dies könnte auf dem Gerichtsweg von "klagsbefugten Verbänden" wie der Arbeiterkammer oder dem Verein für Konsumenteninformation geltend gemacht werden. Zudem verweist man auf die europäische Ebene: "Auch dem europäischen Netzwerk der für die Durchsetzung der Verbraucherschutzgesetze zuständigen nationalen Behörden (...) sind die angesprochenen Praktiken der Online-Buchungsplattformen im Beherbergungsbereich teilweise bekannt." Entsprechend würden die EU-Verbraucherschutzbehörden derzeit gemeinsam mit der EU-Kommission an einer "Checkliste" für Onlineplattformen arbeiten. Damit solle sichergestellt werden, "dass die Angaben von Buchungsplattformen zum Beispiel im Zusammenhang mit Rabatten, Ranking, Bewertung und Verfügbarkeit bei der Onlinesuche nach einer Unterkunft in klarer, verständlicher und transparenter Weise gemacht werden".

 

Abwarten und nicht stressen lassen

Bis all dies einmal schlagend wird, kann aber natürlich noch einige Zeit vergehen. Und natürlich muss sich erst zeigen, wie weitreichend solche Regeln schlussendlich ausfallen. Insofern heißt es für die Konsumenten vorerst weiter: nicht von solchen Tricks stressen lassen. Die Chance, dass einem wirklich ein Hotelzimmer direkt vor der Nase weggeschnappt wird, ist in Wirklichkeit äußerst gering. (Andreas Proschofsky, 23.9.2019)

 


Quelle:der Standard


Hat dir dieser Artikel gefallen? Dann teil ihn mit deinen Freunden.




Folgt uns um keinem Artikel mehr zu verpassen




news_image

Vergessen Sie die Gesichtserkennung! Forscher auf der ganzen Welt haben neue Wege und Technologien gefunden, um Sie zu überwachen. Laser, die Ihren Herzschlag oder ihren individuellen Mikroorganismus erfassen, werden längst entwickelt.

Read more

news_image

Wir alle kennen das Gefühl uns hin und wieder Niedergeschlagen oder trauig zu fühlen. Wenn diese Geühle allerdings über längeren Zeitraum anhalten, spricht man von einer Depression oder einer depressiven Verstimmung.

Read more

news_image

Der Stadtrat hat ein 1,2-Milliarden-Dollar-Hilfspaket zur Bekämpfung der Obdachlosigkeit gewährt, bis 2025 soll es in LA Tausende Betten in Mini-Siedlungen geben, derzeit sind es insgesamt 1500. Wenn jedes davon von mehreren Leuten genutzt wird, niemand s

Read more

news_image

Hauptaufgabe des Lohn- und Sozialdumping-Bekämpfungsgesetzes (LSD-BG) ist es, die arbeitsrechtlichen Ansprüche von Arbeitnehmern zu sichern und einen fairen Wettbewerb zwischen den Unternehmungen zu ermöglichen.

Read more

news_image

m die Herstellungskosten von Waren zu senken, suchen Unternehmen nach Strategien, um sicherzustellen, dass die Preise ihrer Produkte niedrig genug sind. In diesem Bestreben lagern Unternehmen, die in entwickelten Ländern ansässig sind, nicht nur die Produ

Read more


allnews_image

Jetzt möchte das Unternehmen Geld verdienen und das soll nicht nur mit Werbung passieren.

Voir plus


allnews_image

Seit 2015 forscht und lehrt er am Institut für Soziale Ökologie an der Universität für Bodenkultur in Wien. Er ist Mitherausgeber eines Sachstandberichts des Climate Change Center Austria, der die gesellschaftlichen Strukturen für ein klimafreundlicheres

Voir plus


allnews_image

Partnerschaften mit pharmazeutischen Labors Nähere Details nennt die Ankündigung nicht, wir haben jedoch bereits gesehen, wie KI im medizinischen Bereich eingesetzt wird, beispielsweise als AlphaFold von DeepMind die Struktur von Proteinen vorhersagen ko

Voir plus


allnews_image

Wie Google zu seiner Zeit, aus der Alphabet wurde, ändert Facebook seinen Namen, damit seine zukünftigen Produkte wie eine vernetzte Uhr und das Metaverse nicht unter dem Image von ... Facebook leiden

Voir plus


allnews_image

Es ist das derzeit am meisten gehypte Essen! Und das ist gut in dieser Zeit der COP 26, in der sich bereits 80 Länder verpflichtet haben, die Methanemissionen bis 2030 um 30 % zu senken balbisiana.

Voir plus


allnews_image

Wie bei allen maschinellen Lernalgorithmen passt sich Delphi an, und diese Antworten sind nicht mehr dieselben. Delphi scheint in seiner Reife gemildert zu sein und reagiert nun mit angemesseneren Antworten.

Voir plus



allnews_image

Die vielleicht auffälligsten und alarmierendsten Veränderungen wurden jedoch im Gehirn beobachtet. Durch den Vergleich von Gehirnscans, die vor und nach dem Experiment durchgeführt wurden, stellten die Ärzte fest, dass die Ernährung die Schaffung neuer fu

Voir plus


allnews_image

Das eVTOL-Elektroflugfahrzeugkonzept von SkyDrive wird derzeit durch den SD-03 repräsentiert, der im August 2020 eine erfolgreiche bemannte Flugdemonstration absolvierte.

Voir plus


allnews_image

Obwohl ich mir sicher bin, dass Impossible Foods darauf aus ist, die Angeberrechte dafür zu bekommen, bin ich nicht ganz davon überzeugt, dass künstliche Lebensmittel etwas sind, das wir wirklich brauchen. Ich meine, die Idee, tonnenweise Nahrung zu sich

Voir plus


allnews_image

Jetzt fordern sie die Haushalte auf, vor dem Winter Lebensmittel zu lagern, was unter den Internetnutzern wilde Verschwörungen über die Verschärfung der Spannungen mit Taiwan entfacht.

Voir plus


allnews_image

Kennen Sie das Cognitive Warefare Project (Projekt zur kognitiven Kriegsführung) der NATO? Ich bislang auch noch nicht.

Voir plus


allnews_image

Die Briten wurden auch gewarnt, auf die Anzeichen zu achten, dass sich die Supererkältung zu einer tödlichen Lungenentzündung entwickelt hat.

Voir plus


allnews_image

Kassenlose Discounter: Aldi Nord eröffnet bald ein neues Ladenkonzept, das ganz ohne Kassiererinnen auskommt. Per KI-gestützter Infrastruktur soll der Einkauf unkomplizierter werden.

Voir plus


allnews_image

Stellen Sie sich ein Netzwerk unsichtbarer Sensoren vor, die in Stadtstraßen eingebettet sind, um den Verkehr, Straßenschäden zu überwachen und alle verfügbaren Parkplätze in Echtzeit zu identifizieren.

Voir plus


allnews_image

Seit geraumer Zeit hört man wieder vermehrt das Thema "Cannabis Legalisierung" in Deutschland. Was ist dran an dem getuschel und kommt die Legalisierung wirklich nach Deutschland? Unter welchen Vorraussetzungen könnte das passieren? Und stimmt es das durc

Voir plus


allnews_image

Samsung forscht bereits an einem Nachfolger des noch relativ jungen 5G-Standards. Für 6G hat das Unternehmen schon letztes Jahr ein Whitepaper vorgelegt, das auch Mobilfunk im Terahertz-Frequenzbereich vorsieht. Mit der University of California, Santa Bar

Voir plus


allnews_image

Alle Videos der #AllesDichtMachen Kampagne

Voir plus


allnews_image

Alle Videos der #AllesDichtMachen Kampagne

Voir plus


allnews_image

Das Bundesinnenministerium fordert eine anlasslose Personen-Vorratsdatenspeicherung mit verifizierten Daten aller Bürger:innen, die im Internet über Messenger oder E-Mail kommunizieren. Wir veröffentlichen den Volltext des Forderungskataloges.

Voir plus


allnews_image

Unbekannte haben sich offenbar Corona-Hilfen ergaunert - in derart großem Stil, dass der Bund die Abschlagszahlungen vorerst einstellt - mitten in der Krise.

Voir plus




allnews_image

China verfolgt mit dem Infrastrukturprojekt „Neue Seidenstraße“ nicht nur wirtschaftliche Interessen, glaubt Martin Uebele von der University of Groningen. Der Dozent für „Economic and Social History“ geht davon aus, dass Peking auch auf der politischen B

Voir plus


allnews_image

Nach dem Corona-Gipfel heißt es, Angela Merkel habe ihre Strategie geändert. Hat sie gar nicht. Sie ist wieder allen voraus und beweist Gespür. Ein Kommentar. STEPHAN-ANDREAS CASDORFF

Voir plus


allnews_image

Wie geht es mit der Impfpflicht weiter? Bekommt Deutschland auch einen grünen Pass, oder etwas ähnliches? Werden wir womöglich doch "Gezwungen" uns impfen zu lassen um am Leben teilhaben zu können? Was geschieht mit den nicht geimpften? Was dürfen und was

Voir plus


allnews_image

Wer heute Abend zwischen 21 Uhr und 22 Uhr noch nicht weiß was er machen soll, kann sich die erste Rede von Donald Trump live auf Youtube verfolgen.

Voir plus


allnews_image

Bundesfinanzminister Olaf Scholz zeigt sich zuversichtlich, dass es bald eine Rückkehr „zu einem normaleren Leben“ geben werde. Bei dem Zusammenspiel zwischen der Öffnungsstrategie, den Impfungen und dem Testen brauche es aber „eine Lösung aus einem Guss“

Voir plus