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China: Erste Babys mit manipulierten Genen?

27 November 2018, 07:22

Wissenschaft





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Bisher steckt die Gentherapie erst in ihren Anfängen. Die Genschere Crispr/Cas 9 hat nun jedoch der Reparatur von defekten Genen neue Möglichkeiten eröffnet. Denn sie ist einfacher anzuwenden und zielgenauer, so dass weniger unerwünschte Mutationen in Nichtzielgenen auftreten. Erste Erfolge in Tierversuchen und mit menschlichen Zellen wecken die Hoffnung, dass sich mit dieser Methode beispielsweise Erbkrankheiten wie die Duchenne-Muskeldystrophie oder die Sichelzellen-Anämie heilen lassen. Werden solche Gentherapien jedoch bei Kindern oder Erwachsenen durchgeführt, korrigieren sie nur die Defekte der jeweiligen Patienten. Weil die Keimzellen der Betroffenen – Spermien und Eizellen – noch immer den Gendefekt tragen, könnten ihre Nachkommen weiterhin den Defekt erben und erkranken.

Eingriff in die Keimbahn

Anders wäre dies bei einer Genreparatur, die schon in der befruchteten Eizelle durchgeführt wird: Weil sich aus dieser alle späteren Zellen des Menschen entwickeln, tragen auch die Keimzellen den geänderten Gencode – und geben diesen an alle Nachkommen weiter. Ein solcher Eingriff in die Keimbahn verändert dadurch das Erbgut aller kommenden Generationen – und ist daher ethisch stark umstritten. Wegen der unübersehbaren und dauerhaften Folgen und der damit verbundenen ethischen Bedenken sind solche Keimbahn-Manipulationen bisher in Deutschland und vielen anderen Ländern verboten. Das gilt jedoch nicht für China. Dort haben Forscher schon mehrfach Eingriffe in das Erbgut von Embryonen und befruchteten Eizellen durchgeführt. Bisher allerdings wurden diese Versuche noch nie bis zur Geburt eines Kindes fortgesetzt.





Das hat sich nun geändert: He Jiankui von der South University in Shenzen und sein Team berichten, sie hätten nun erstmals lebende, gesunde Babys erzeugt, die ein gentechnisch verändertes Genom in sich tragen. Bei den beiden jetzt geborenen Zwillingsmädchen ist das sogenannte CCR5-Gen durch eine Genvariante ersetzt, die die Kinder später vor einer Infektion mit HIV schützen soll. Das eingeschleuste Gen verhindert, dass das HI-Virus in die Zelle eindringt. Den Forschern zufolge sei diese CCR5-Genvariante während der künstlichen Befruchtung mittels Genschere in die befruchteten Eizellen eingeschleust worden. Insgesamt soll diese Genveränderung bei 16 Embryos von sieben Paaren vorgenommen worden sein. Nur in einem Fall war die Einpflanzung dieser geneditierten Embryos jedoch erfolgreich – und führte zur Geburt der Zwillinge. „Die beiden Mädchen Lulu und Nana kamen schreiend und so gesund wie jedes andere Baby auf die Welt“, berichtet He Jiankui in einem Video.

Heftige Kritik auch von Kollegen

Nach Angaben von He Jiankui zeigen Gentests, dass bei einem der beiden Babys beide Varianten des CCR5-Gens erfolgreich ersetzt wurden. Beim zweiten Kind sei nur eines der beiden Allele ersetzt, doch in beiden Fällen gebe es keine Hinweise auf Veränderungen in anderen DNA-Abschnitten oder andere unerwünschte Nebeneffekte. Das allerdings bezweifeln Wissenschaftler, denen die Agentur AP einige in China erhaltene Daten zur Prüfung gegeben hatte. Demnach seien die durchgeführten Tests nicht ausreichend, um den Erfolg zu belegen oder Schäden auszuschließen. Sie kritisieren zudem, dass auch der Embryo mit dem unvollständig ersetzten CCR5-Gen der Mutter eingepflanzt und ausgetragen wurde. „Dieses Kind hat in Bezug auf den Schutz gegen HIV fast nichts gewonnen, dafür setzt man es all den noch unbekannten Risiken dieser Technologie aus“, sagt Kiran Musunuru von der University of Pennsylvania gegenüber AP.

Hinzu kommt, dass dieser Eingriff ins Erbgut selbst bei perfektem Gelingen schon aus medizinischen Gründen stark umstritten ist. Denn Menschen mit veränderten CCR5-Genen sind zwar besser gegen eine HIV-Infektion geschützt, dafür aber macht sie diese Genvariante anfälliger gegenüber anderen Viren wie Influenza oder dem West-Nil-Virus. „Das ist skrupellos und ein Experiment an menschlichen Wesen, das weder moralisch noch ethisch zu rechtfertigen ist“, kritisiert Musunuru. Ähnlich kritisch sieht der Vorsitzende des Deutschen Ethikrats, Peter Dabrock, diesen Vorstoß der chinesischen Forscher: „Sollte es sich bewahrheiten, dass ein mithilfe von CRISPR genmanipuliertes Baby erzeugt worden ist, wäre dies für die Wissenschaft ein Super-GAU“, sagt der Theologe. „Wenn systematisch die biologische Grundlage des Menschen manipuliert werden soll, ist dies ein Menschheitsthema. Das Ganze zeigt aber auch: Es reicht nicht aus, dass die Wissenschaft sich Verhaltenscodizes gibt, an die sich keiner hält.“





Wie es nun weitergeht und welche Folgen der chinesische Vorstoß für die weitere Regulierung von Keimbahn-Therapien haben wird, bleibt abzuwarten. Noch müssen He Jiankui und sein Team ohnehin erst einmal ihre vollständigen Daten veröffentlichen, damit ihre vollmundigen Behauptungen auch nachgeprüft werden können.

Quelle: Associates Press, He Lab, Science Media Centre


Quelle: Wissenschaft


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