change language     -        


Woher kommt des Volkes Wut?

May 15, 2018, 2:20 pm

Type: Politik

       




news_image

Und jetzt? Verkündet diese Woche der frische Aufräum- und Heimatminister Horst Seehofer, dass die Kriminalität gar nicht steigt, sondern fällt. Vergangenes Jahr, noch bevor Horst "Die Rettung" Seehofer die Heimat zu retten ansetzen konnte, um satte zehn Prozent. Und dass Deutschland nach allem, was die Statistiken hergeben, heute sicherer sei als früher: So wenig Straftaten wie 2017 seien seit 1992 nicht mehr begangen worden, so Seehofer. Trotz Flüchtlingskrise und überhaupt.

Keine Frage: Jede Gewalttat ist eine zu viel, und es gibt eine Menge Gründe, noch mehr dagegen zu tun. Und trotzdem: Es gibt nicht viele Länder, in denen es noch unwahrscheinlicher ist, Opfer von Kriminalität zu werden, als in Deutschland. Das Risiko ist für jeden Einzelnen heute so niedrig wie seit 30 Jahren nicht mehr.

Im Grunde müsste das Empörung auslösen. Wie kann es sein, dass die ganze Republik seit zwei Jahren wie irre über den sicheren Niedergang lamentiert, den es offenbar gar nicht gibt? Es drängt sich die Frage auf, warum es dann so viele Menschen gibt, die unzufrieden bis stark wütend sind, keine SPDmehr und dafür AfD wählen - und die schon Schnappatmung kriegen, wenn jemand zu bedenken gibt, dass der eine oder andere Flüchtling womöglich gar kein Terrorist ist.

Woher kommt die Angst? Ist es nur ein mediales Hochschaukeln? Ein der AfD nacheilender Pseudo-Volksversteherdrang, von nun an möglichst ausführlich über alles Kriminelle zu berichten, vor allem, wenn es irgendwie mit Flüchtlingen zu tun hat? Müsste man den Leuten einfach nur Wahrscheinlichkeitsrechnung beibringen, um faktisch übertriebene Ängste zu nehmen? Möglich.

Es spricht aber auch einiges für ein tieferliegendes Problem: Ähnliche Kollektivängste haben schon Donald Trump zum Präsidenten gemacht; die Briten zum Brexit getrieben; in Frankreich Marine Le Pen in die Stichwahl zur Präsidentschaft gebracht; in Italien für den Aufstieg von mehr oder weniger wirren Populisten geführt. Was steckt dahinter?

"Ich bekomme nicht, was mir zusteht"

Es gibt immer mehr solide Studien, die zu erklären versuchen, was jene Menschen gemeinsam haben, die wütend sind, auf alles Fremde schimpfen und überdurchschnittlich häufig jene stramm-rechten Parteien wählen, die sich als Retter gegen Überfremdung und Unsicherheit geben. Diesen zufolge geht Wut über Ausländer auffällig oft mit dem Frust über das eigene Leben einher.

In einer gerade neu veröffentlichten Studie gehen die Ökonomen Panu Poutvaara vom Münchner Ifo-Institut und Max Friedrich Steinhardt von der Bundeswehr-Universität in Hamburg diesem Verdacht nach, indem sie Umfragen der vergangenen Jahre auswerteten.

Wie die Forscher herausfanden, gibt es in Deutschland keine andere Gruppe von Menschen, die sich so besorgt über Zuwanderung gibt, wie die, die zugleich verbittert über ihr eigenes Schicksal ist. Es sind Menschen, die glauben, nicht das bekommen zu haben, was sie verdienen, so die Forscher.

Rund jeder zweite der am stärksten Verbitterten wütet gegen Zuwanderung. Bei denen, die über ihr eigenes Dasein wenig verbittert sind, ist der Anteil nicht einmal halb so hoch.





Die Ergebnisse bestätigen, was andere Studien in jüngster Zeit bereits andeuteten: etwa, dass Leute besonders oft Probleme mit Ausländern äußern, wenn sie zugleich das Gefühl haben, gegenüber Freunden und Verwandten persönlich schlechter abzuschneiden.

Wenn es wirklich jenes Gefühl ist, nicht das zu bekommen, was man verdient, könnte das erklären, warum nicht nur Arbeitslose und Arme die AfD oder Donald Trump wählen. Sondern (auch oder eher) Leute, die Angst haben, aus der Mittelschicht abzustürzen.

Nach den Auswertungen von Poutvaara und Steinhardt nimmt der kollektive Hang zur Sorge vor Einwanderung immer dann zu, wenn die Verbitterung im Land zunimmt. Und laut anderen Studien gibt es gerade in Regionen, in denen die Globalisierung zu besonders heftigen Umbrüchen geführt hat, besonders viele Rechtswähler.

Die Geißel inflationärer Eigenverantwortung

Wodurch entsteht nun Verbitterung? Ein Erklärungsansatz ist, dass die Bürger ständig gepredigt bekommen haben, dass sie bitte schön Eigenverantwortung übernehmen sollen. Was irre ist, wenn plötzlich via chinesischer Billigkonkurrenz ganze Industrien weggefegt werden.

Die kollektive Verbitterung könnte zudem wachsen, weil 40 Prozent der Bevölkerung in den vergangenen Jahren kaum oder keine Einkommenszuwächse verbuchen konnten, während andere ihr Geld auf paradiesischen Inseln mehren lassen oder noch ein paar Milliönchen drauf kriegen, obwohl sie mit Diesel getrickst haben.

Kollektive Verbitterung entsteht, wenn, wie vor zehn Jahren, plötzlich Geld für die Rettung von Großbanken da ist, nachdem den Leuten über Jahre gesagt wurde, dass für Renten, Schulen und Medikamente leider nichts mehr übrig ist.

Oder wenn plötzlich Gesetze gelten, laut denen - Mantra Eigenverantwortung - selbst Menschen nach einem Jahr ohne neuen Job der Absturz auf Hartz IV droht, die über viele Jahre brav geackert haben und aufgrund der Bankenkrise oder Allgemeinrezession gar nicht so schnell einen neuen Job finden können.

All das heißt nicht, dass man nicht für die Integration von Geflüchteten sorgen sollte. Oder für die Abschiebung von Leuten, die sich an Regeln partout nicht halten. Es ist nur absurd so zu tun, als wäre das unser größtes Problem. Als ließe sich dadurch erklären, warum der Unmut im Land so groß ist. Gegen Verbitterung hilft auch das x-te Asylverschärfungsgesetz nur wenig.

Wir brauchen eine ganz andere Aufregung. Wir müssen dafür sorgen, dass die Zahl derer im Land schrumpft, die das Gefühl haben, nicht das zu bekommen, was sie verdienen. Und sie davor zu schützen, dass sie sich für globalisierungsbedingte oder politisch einkalkulierte Schicksalsschläge selbst verantworten müssen, über die sie gar keine Kontrolle haben.


Quelle: Spiegel



news_image

An dem für Vögel gefährlichen Usutu-Virus sind in diesem Jahr bereits tausende Tiere erkrankt oder gestorben. Laut dem Naturschutzbund NABU sind es in diesem Jahr mehr als je zuvor.

Read more

news_image

Nachts vollbringt unser Organismus Höchstleistungen. Denn er regeneriert den gesamten Körper - aber nur, wenn wir auch tief und fest schlafen. Die Abwehrkräfte werden gestärkt, Hormone kurbeln das Zellwachstum an und das Gedächtnis speichert, was wir am T

Read more

allnews_image

Chemnitz hat sich beim #wirsindmehr-Konzert gegen Rassismus gestellt. 65.000 Menschen kamen. AfD-Politikerin von Storch nannte sie "abscheulich". Die Landesregierung fordert nun die gesamtdeutsche Aufarbeitung der Nachwendezeit.

Voir plus


allnews_image

Die Linken träumen davon, dass alle an einem Strang ziehen – nur wissen sie nicht, an welchem. Kann die Sammlungsbewegung von Sahra Wagenknecht daran etwas ändern? Eine Analyse von Robert Misik

Voir plus


allnews_image

Das Innenministerium soll bei seiner Aufsicht über das Bamf versagt haben. Zu diesem Schluss kommt der Bundesrechnungshof in einem Bericht, der nun in Teilen öffentlich wurde. Die fehlende Kontrolle hatte Folgen.

Voir plus


allnews_image

Ein junger Afghane sticht am Hauptbahnhof von Amsterdam zwei US-Touristen nieder. Die Behörden gehen von einem terroristischen Anschlag aus. Auch die deutsche Polizei ermittelt in dem Fall.

Voir plus



allnews_image

Mindestens 8500 Menschen haben an Demonstrationen am Samstag in Chemnitz teilgenommen - begleitet von 1800 Polizisten. Zwar gab es neun Verletzte und mehrere Straftaten, die große Eskalation blieb aber aus. Es soll einen Angriff auf ein MDR-Te

Voir plus


allnews_image

Ein 19 Jahre alter Afghane verletzt am Hauptbahnhof in Amsterdam zwei Menschen mit einem Messer.

Voir plus


allnews_image

Chemnitz kommt nicht zur Ruhe. Eine Woche nach dem gewaltsamen Tod eines 35-Jährigen haben Dutzende linke und rechte Gruppen zu Demonstrationen aufgerufen. Der AfD-Bundeskonvent in Dresden endet deshalb frühzeitig.

Voir plus


allnews_image

Michael Kretschmer spricht sich in Chemnitz mit Bürgern aus. Die stören sich an Medien und kriminellen Flüchtlingen – und kaum an rechten Ausschreitungen in ihrer Stadt.

Voir plus




allnews_image

Nach den Gewaltexzessen in Chemnitz sind Empörung und Betroffenheit groß. Die entscheidende Frage lautet nun: Wie können Rechtsextreme gestoppt werden? Aus der Politik kommen erste Antworten.

Voir plus


allnews_image

Lange hielt Google an seiner Social Media Plattform fest. Aber trotz zahlreicher Wiederbelebungsversuche konnte der Suchmaschinen-Gigant nie aufschließen zu Facebook, Twitter und Co. Jetzt scheint wenigstens Google Frankreich erkannt zuhaben, dass sämtlic

Voir plus


allnews_image

Für die einen sind sie absurder Unfug, für manche eine seltsame Faszination und für wieder andere schon fast eine Art Ersatzreligion: Verschwörungstheorien. Seit dem Ausbruch des Internetzeitalters erleben sie eine Revolution und sind essenzieller Bestand

Voir plus


allnews_image

L'entreprise de Google, DeepMind, spécialisée dans l'intelligence artificielle, a mis au point un logiciel capable de dépister plus de 50 maladies oculaires avec la même précision que des ophtalmologues aguerris.

Voir plus


allnews_image

Des chercheurs Finnois et Suédois ont voulu savoir s'il y avait un lien entre le bien-être mental d'une personne et le contenu de ses rêves. La réponse est " oui " !

Voir plus