change language     -        


"Lenkt bitte nicht von eurem eigenen Antisemitismus ab"

April 27, 2018, 8:50 am

Type: rights

       




news_image

  1. aktuell"

Antisemitismus ist überall – er ist nicht neu und nicht auf Muslime beschränkt, sagt die Vorsitzende der jüdischen Studierendeninitiative Berlins. Macht ihr das Angst?

Am Dienstagabend haben mehrere junge Männer in Berlin zwei junge Männer angegriffen, die eine Kippa trugen. Einer der Männer wurde mit einem Gürtel geschlagen. Der Angriff hat eine Debatte über Antisemitismus in Deutschland ausgelöst. Wie erleben Juden in Deutschland die Diskussion über solche Angriffe?

 

Darüber hat ZEIT Campus ONLINE mit Anastassia Pletoukhina gesprochen. Sie ist 32 Jahre alt und Vorstandsvorsitzende von Studentim, der jüdischen Studierendeninitiative Berlin. Außerdem arbeitet sie als freiberufliche Bildungsreferentin in verschiedenen jüdischen Institutionen, unter anderem in der Jewish Agency for Israel, der europäischen Janusz-Korczak-Akademie und im Kompetenzzentrum für Prävention und Empowerment der Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland.

ZEIT Campus ONLINE: Anastassia, Deutschland spricht über ein Video, in dem ein junger Mann in Berlin angegriffen wird, weil er eine Kippa trägt. Du bist Jüdin und lebst in Berlin. Was hast du gedacht, als du das Video gesehen hast?

Anastassia Pletoukhina: Mich hat erschreckt, dass das Video aus dem Prenzlauer Berg kommt. Ich dachte: Krass, wenn es dort Antisemitismus gibt, dann ist er wirklich überall. An Berlin schätze ich nämlich eigentlich, dass das Judentum hier sehr präsent ist und ganz selbstverständlich gelebt wird. Ich lebe in Charlottenburg, da brauche ich nur aus der Haustür zu gehen und höre Hebräisch. Natürlich ist das nicht überall so, aber ich habe hier immer sehr geschätzt, dass ich mir meine eigenen jüdischen Räume suchen konnte und mich dort sehr sicher fühlte. 

ZEIT Campus ONLINE: Hat dich der Vorfall überrascht?

Pletoukhina: Nein, überrascht hat mich das Video nicht, weil es mir vor Augen geführt hat, was ich schon wusste: dass antisemitische Übergriffe überall passieren können. Und für viele Jüdinnen und Juden ist es eben oft nicht möglich, sich ihre eigenen Räume zu suchen. Zum Beispiel an Schulen oder in Kindergärten. Ich kenne Vorfälle aus Kindergärten, wo Kinder beschimpft werden, weil sie jüdisch sind und die Erzieherin nichts sagt. Und das Video zeigt: Man ist nicht vor Antisemitismus gefeit, es reicht schon, auf die Straße zu gehen.

ZEIT Campus ONLINE: Das heißt, das Video ist repräsentativ für jüdisches Leben?

Pletoukhina: Ja, insofern, dass Antisemitismus überall passiert. In Schulen, auch schon in Kindergärten. Die jüdische Gemeinschaft schockt so was nicht, weil sie es gewohnt ist. Antisemitismus ist immer präsent. Du weißt nur nie, aus welcher Richtung was angeflogen kommt.





ZEIT Campus ONLINE: Macht dir der Vorfall Angst?

Pletoukhina: Mir selbst macht das keine Angst, aus dem einfachen Grund, dass ich auf der Straße als Jüdin nicht zu erkennen bin. Mein Mann schon, denn er trägt Kippa. Und wenn er in traditioneller jüdischer Kleidung auf dem Weg zur Synagoge ist, denke ich oft: Gut, dass er so groß und stark ist. Ich selbst trage manchmal eine Halskette mit einem kleinen Davidstern. Das ist aber eher selten und kommt dann auf das Outfit an. Wenn ich es mal trage, weiß ich jedoch immer: Es ist ein Hingucker. Jüdische Mitbürger wissen dann: Okay, sie gehört in den Club. Und auch für andere bin ich dann offen als Jüdin erkennbar.

ZEIT Campus ONLINE: Wie reagieren nicht jüdische Menschen darauf?

Pletoukhina: Dass mir gegenüber dann ein Gürtel gezogen wird, wie auf dem Video, so etwas ist mir noch nicht passiert. Aber die Leute machen mich zum Infopoint für alles, was mit dem Judentum zu tun hat. Oder wollen sofort mit mir über Israel sprechen, ihre Kritik bei mir abladen. Es wird sofort angenommen, dass ich irgendwas mit der israelischen Politik zu tun habe.

ZEIT Campus ONLINE: Wie äußert sich das?

Pletoukhina: Ich komme dann in eine Position, in der ich antworten muss. Die Leute denken oft: Ich habe das Recht, dir alle Fragen zu stellen, die ich stellen möchte. Wenn ich dann zu Israel befragt werde, habe ich oft mit israelbezogenem Antisemitismus zu tun. Und der kann eben von allen Seiten kommen. Oft wird mir gesagt: Was Israel macht, ist ganz furchtbar. Aus dem einfachen Grund, dass ich Jüdin bin. Das wird einfach so salopp dahingesagt.

ZEIT Campus ONLINE: Fühlst du dich in solchen Fällen diskriminiert?

Pletoukhina: Ja. Mich fragt ja auch keiner, ob ich Merkel gut finde, obwohl ich deutsche Mitbürgerin bin. Sie verfrachten mich in ihrem Kopf dann erst mal nach Israel. Sie könnten mich auch zu der deutschen Politik befragen, mit der identifiziere ich mich viel mehr. Schließlich bin ich deutsche Staatsbürgerin. Und ich mag Israel als Land, ja. Aber ich habe die Regierung dort ja nicht gewählt. Ich finde das diskriminierend, weil mich solche Fragen in eine Sonderrolle rücken. Ich bin dann sofort draußen, werde reduziert auf mein Jüdischsein und muss in dieser Rolle performen.


Quelle: Zeit



news_image

Die Fraktionschefs im EU-Parlament haben Facebook-Chef Mark Zuckerberg zum Datenskandal gehört. Das Ganze war eine Farce, aber das lag nicht an den Fragen der Politiker.

Read more

news_image

Ein aktueller EU-Bericht belegt erneut: Deutschlands Grundwasser hat ein Nitratproblem. Schuld ist vor allem die Landwirtschaft. Es wird teils Jahrzehnte dauern, bis sich die Lage bessert.

Read more

allnews_image

Immer wieder verursachen ältere Autofahrer schwere Unfälle. Aber wie teilt man den eigenen Eltern oder Großeltern mit, dass sie den Führerschein besser abgeben?

Voir plus


allnews_image

Die frühere CDU-Politikerin Erika Steinbach lässt kaum einen Anlass aus, ihre Unterstützung für die AfD deutlich zu machen. Nun gibt sie den Bayerischen Verdienstorden zurück - mit entsprechendem Statement.

Voir plus


allnews_image

Der Sonderbeauftragte in der Russlandaffäre kann den US-Präsidenten nicht anklagen – sagt Trumps Anwalt. Und fordert nach einem Jahr das Ende der Ermittlungen.

Voir plus


allnews_image

Brüssel nimmt Deutschland beim Diesel in die Mangel: Damit Grenzwerte endlich eingehalten werden, zieht die EU-Kommission vor Gericht. Legt die Bundesregierung doch noch nach, um Autos sauberer zu bekommen?

Voir plus



allnews_image

Auf der Ausgrabungsstätte Göbekli Tepe nahe der türkischen Stadt Sanliurfa ist der älteste bekannte Tempel der Menschheitsgeschichte zu finden, mit einem Alter von etwa 11.000 Jahren.

Voir plus


allnews_image

Berlin - Auch bei denen, die von dem Gesetz profitieren sollen, ist die Skepsis groß. „Das Polizeiaufgabengesetz enthält Regelungen, die nicht dazu dienen, das Vertrauen zwischen der Bevölkerung und der Polizei zu stabilisieren“, sagte der stellvertret

Voir plus


allnews_image

Da heißt es seit Monaten, ach Jahren, wie unsicher es in Deutschland geworden ist. Vergeht keine Woche ohne Talkshow zum Ende von Recht und Ordnung. Steigen Jungpolitiker zu Heilsbringern auf, weil sie "endlich sagen", wie schlimm es um uns steht. Und jed

Voir plus


allnews_image

Den USA wirft Frankreichs Präsident vor, sich mit der Verlegung der US-Botschaft nach Jerusalem in einen Streit eingemischt zu haben, den allein Israelis und Palästinenser zu entscheiden hätten.

Voir plus


allnews_image

sagt Dennis Snower, Präsident des Instituts für Weltwirtschaft in Kiel. Ein Gespräch über die Angst vor der Globalisierung und die blinden Flecke der Wirtschaftswissenschaften.

Voir plus


allnews_image

• Die Eröffnung der US-Botschaft in Jerusalem hat im Gazastreifen Proteste ausgelöst. • Schon Stunden vor der offiziellen Eröffnung strömen Tausende Palästinenser an die israelische Grenze. • Die israelische Armee hatte sich auf Zusammenstöße vorbereite

Voir plus




allnews_image

Jeder kennt es: Kinder, die nicht aufhören möchten zu schreien und trotz gutem Zureden von Seiten der Eltern weiter lauthals durch die Gegend brüllen. Doch woran liegt ist, dass du scheinbar immer öfter quengelnde und lautstark protestierende Kinder in de

Voir plus


allnews_image

Ce 12 mai, la "pêche" sera acceptée dans des commerces de Paris en plus d'une centaine de la ville limitrophe de Montreuil (93) où cette monnaie locale est née. Elle favorise le commerce et l'artisanat local qui l'acceptent en paiement. D'autres monnaies

Voir plus


allnews_image

INDE La grêle et des orages qui ont abattu des murs, des arbres et des pylônes électriques...

Voir plus


allnews_image

Discussion autour des jeux et de la réincarnation avec des moines à Wat Chedi Luang Mai, Thaïlande.

Voir plus


allnews_image

Chiasamen verfügen über einen hohen Anteil an Calcium, Eisen und löslichen Ballaststoffen. Sie versorgen den Organismus mit ungesättigten Fettsäuren, insbesondere den wichtigen Omega 3-Fettsäuren. Das ist insbesondere toll für Veganer, die kaum vegane Ome

Voir plus