change language     -        


„Verschwörungstheorien sind ein Riesengeschäft“

April 27, 2018, 8:46 am

Type: Verschwörungstheorien

       




news_image

Herr Butter, 2008 tauchte im Internet ein Papier von Satoshi Nakamoto auf, in dem er zeigt, wie mit dem Bitcoin an den Zentralbanken vorbei weltweit Geld ausgetauscht werden kann. Wer Nakamoto ist, weiß bis heute niemand. Allerdings gibt es eine Theorie: Hinter Nakamoto steckt die NSA, die im Bitcoin-Code eine Hintertür versteckt hat, um die Zahlungsströme weltweit zu verfolgen. Sie kann so unbemerkt Revolutionäre in aller Welt finanzieren.
Michael Butter: Das hört sich für mich nach einer klassischen Verschwörungstheorie an. Da gibt es eine sinistere Gruppe im Hintergrund, die alles über Jahrzehnte hinweg geplant haben soll. Die breite Masse versteht das natürlich nicht, nur einige wenige Erleuchtete haben verstanden, was die Verschwörer vorhaben. Und sie argumentieren „von hinten“, wie Verschwörungstheorien das immer tun. Die NSA spioniert uns alle aus, wie wir seit 2013 wissen, ihr muss somit alles Böse zugetraut werden, also muss sie auch hinter dem Artikel fünf Jahre vorher stecken.

 

Glauben Sie nicht, Sie tun das zu leicht ab? 1997 haben drei Mitarbeiter der NSA einen Artikel zu Kryptowährungen verfasst, der findet sich immer noch online. Sie verweisen darin auf die Gefahren von Digitalwährungen. Was läge näher als eine eigene aufzubauen und so die Kontrolle zu bewahren?
Das ist ein schönes Beispiel dafür, wie Verschwörungstheoretiker argumentieren. Sie gehen davon aus, dass die Beweise auf der Hand liegen, sie müssen nur ausmachen, wer hinter der Verschwörung steckt. Wer die erste Seite der Suchtreffer bei Google durchforstet, findet diesen Artikel. Im nächsten Schritt unterstellen die Verschwörungstheoretiker, dass die gesamte NSA homogene Interessen verfolgt und an einem Strang zieht. Verschwörungstheoretiker können sich gar nicht vorstellen, dass es Mitarbeiter der NSA gibt, die anderen Tätigkeiten nachgehen als die drei besagten Mitarbeiter. In ihrer Vorstellung agiert die NSA wie ein Monolith. Es gibt auch keine Zufälle oder Unabwägbarkeiten in ihrer Welt. Nur mithilfe solcher Annahmen können Menschen glauben, dass ein 20 Jahre alter Artikel beweist, dass alles von langer Hand geplant ist.





Verschwörungstheorien gehen stets von der Prämisse aus, dass nichts so ist, wie es scheint. Zudem sind Verbindungen zwischen absolut disparaten Ereignissen charakteristisch. Gerade ging es nur um die Verbindung eines Papiers aus dem Jahr 2008 und den Snowden-Enthüllungen von 2013, jetzt kommt noch ein Aufsatz von 1997 dazu.

Zur Person

Nun hat Edward Snowden ja gezeigt, dass der NSA einiges zuzutrauen ist.
Diese Enthüllungen werten Verschwörungstheoretiker im Nachhinein oft als Beleg dafür, dass sich eine Theorie als wahr herausgestellt hat. Das ist Unsinn. Wer sich mit der NSA befasst hat, den dürften die Enthüllungen Snowdens nicht gewundert haben. Snowden hat lediglich gezeigt, dass die NSA alles tut, um die amerikanischen Interessen zu schützen. Das mag man gutheißen oder nicht – aber die Enthüllungen haben nicht offengelegt, dass die NSA irgendwelche geheimen Ziele verfolgte, von denen niemand etwas wusste.

Hat die Verbreitung von Verschwörungstheorien zugenommen?
Wir haben heute den Eindruck, aber der trügt. Das Internet macht Verschwörungstheorien lediglich sichtbarer als das früher der Fall war. Die Zahl derer, die an Verschwörungstheorien glauben, ist aber heute weitaus geringer als noch vor 100 Jahren. Bis in die 1960er hinein galten Verschwörungstheorien in der westlichen Welt als völlig normal und unproblematisch und waren Teil des öffentlichen Diskurses. Eliten haben sie über Jahrhunderte bewusst gestreut – denken wir an die vermeintliche Kontrolle der Weltwirtschaft durch Juden. Das waren alles Verschwörungstheorien, die von oben gestreut wurden.

 

Was hat sich geändert?
Nach den verheerenden Auswirkungen des Zweiten Weltkriegs wanderten die Verschwörungstheorien langsam ab in die Subkulturen. Dadurch änderte sich dann auch die Stoßrichtung – zumindest in der westlichen Welt. Entsprechend richten sie sich nicht mehr nur gegen Schwache und Außenseiter, sondern sind ein Mittel von Leuten geworden, die sich marginalisiert fühlen oder Angst haben, marginalisiert zu werden. Solche Theorien dienen heute der Elitenkritik. Durch das Internet sehen wir nun die Kommunikation von Teil- und Gegenöffentlichkeiten, die wir vorher nicht wahrgenommen haben. Diese Sichtbarkeit führt zwar zu einer Zunahme derer, die an Verschwörungstheorien glauben – zumindest gemessen an der Zeit nach 1960. Verglichen mit 1918 oder 1818 ist die Zahl derer, die solchen Theorien anhängt, aber sehr gering.


Quelle: Wiwo



news_image

Geschwisterlose Kinder gelten als verzogen und egoistisch. Was ist dran an den Vorurteilen?

Read more

news_image

An dem für Vögel gefährlichen Usutu-Virus sind in diesem Jahr bereits tausende Tiere erkrankt oder gestorben. Laut dem Naturschutzbund NABU sind es in diesem Jahr mehr als je zuvor.

Read more


allnews_image

Chemnitz hat sich beim #wirsindmehr-Konzert gegen Rassismus gestellt. 65.000 Menschen kamen. AfD-Politikerin von Storch nannte sie "abscheulich". Die Landesregierung fordert nun die gesamtdeutsche Aufarbeitung der Nachwendezeit.

Voir plus


allnews_image

Die Linken träumen davon, dass alle an einem Strang ziehen – nur wissen sie nicht, an welchem. Kann die Sammlungsbewegung von Sahra Wagenknecht daran etwas ändern? Eine Analyse von Robert Misik

Voir plus


allnews_image

Das Innenministerium soll bei seiner Aufsicht über das Bamf versagt haben. Zu diesem Schluss kommt der Bundesrechnungshof in einem Bericht, der nun in Teilen öffentlich wurde. Die fehlende Kontrolle hatte Folgen.

Voir plus



allnews_image

Ein junger Afghane sticht am Hauptbahnhof von Amsterdam zwei US-Touristen nieder. Die Behörden gehen von einem terroristischen Anschlag aus. Auch die deutsche Polizei ermittelt in dem Fall.

Voir plus


allnews_image

Mindestens 8500 Menschen haben an Demonstrationen am Samstag in Chemnitz teilgenommen - begleitet von 1800 Polizisten. Zwar gab es neun Verletzte und mehrere Straftaten, die große Eskalation blieb aber aus. Es soll einen Angriff auf ein MDR-Te

Voir plus


allnews_image

Ein 19 Jahre alter Afghane verletzt am Hauptbahnhof in Amsterdam zwei Menschen mit einem Messer.

Voir plus


allnews_image

Chemnitz kommt nicht zur Ruhe. Eine Woche nach dem gewaltsamen Tod eines 35-Jährigen haben Dutzende linke und rechte Gruppen zu Demonstrationen aufgerufen. Der AfD-Bundeskonvent in Dresden endet deshalb frühzeitig.

Voir plus




allnews_image

Die Koalition hat sich bei den Themen Rente und Arbeitslosenversicherung endlich geeinigt. Was heißt das für die Rentnerinnen und Rentner - und für Arbeitnehmer? Wie geht es weiter?

Voir plus


allnews_image

Nach den Gewaltexzessen in Chemnitz sind Empörung und Betroffenheit groß. Die entscheidende Frage lautet nun: Wie können Rechtsextreme gestoppt werden? Aus der Politik kommen erste Antworten.

Voir plus


allnews_image

Lange hielt Google an seiner Social Media Plattform fest. Aber trotz zahlreicher Wiederbelebungsversuche konnte der Suchmaschinen-Gigant nie aufschließen zu Facebook, Twitter und Co. Jetzt scheint wenigstens Google Frankreich erkannt zuhaben, dass sämtlic

Voir plus


allnews_image

Für die einen sind sie absurder Unfug, für manche eine seltsame Faszination und für wieder andere schon fast eine Art Ersatzreligion: Verschwörungstheorien. Seit dem Ausbruch des Internetzeitalters erleben sie eine Revolution und sind essenzieller Bestand

Voir plus


allnews_image

L'entreprise de Google, DeepMind, spécialisée dans l'intelligence artificielle, a mis au point un logiciel capable de dépister plus de 50 maladies oculaires avec la même précision que des ophtalmologues aguerris.

Voir plus