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Ultraschall: Schädlich fürs Kind

8 April 2019, 18:17

Gesundheit





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Quelle Image: Symbolbild/Ltd/Thinkstock by Getty-Images

 

Ultraschall auf Wunsch wird in der Schwangerschaft wegen kindlicher Gesundheitsbelastung ab 2021 gesetzlich untersagt. Ohne medizinische Indikation darf dann kein Ultraschall mehr angewendet werden.

 

 

Wunsch-Ultraschall ab 2021 verboten

Seit vielen Jahren warnen Ultraschall-Kritiker vor zu häufigen Ultraschalluntersuchungen in der Schwangerschaft, denn sie könnten schädlich sein bzw. ihre Harmlosigkeit wurde nie wirklich bewiesen. Offiziell jedoch hiess es stets – insbesondere von Seiten der durchführenden Ärzte – Ultraschalluntersuchungen seien für das Ungeborene vollkommen harmlos und aus Sicherheitsgründen auch unbedingt erforderlich.

Nun hat sich das Blatt gewendet: Ab 2021 sind notwendige, also vom Arzt angeordnete Ultraschalluntersuchungen zwar noch weiterhin zulässig. Jedoch wird der Wunsch-Ultraschall – auch Baby-TV oder Babywatching genannt – ab 2021 gesetzeswidrig sein. Denn man weiss es also tatsächlich nicht genau, ob der Ultraschall so harmlos ist, wie den werdenden Müttern seit Jahrzehnten eingeredet wird.

 

Die bisherige Situation

Drei Ultraschalluntersuchungen (Ultraschall-Screenings) gehören in Deutschland zur üblichen Schwangerschaftsvorsorge – in jedem Schwangerschaftsdrittel eine. Damit soll die ordnungsgemässe Entwicklung des Kindes überwacht werden. Man sucht ferner nach auffälligen Merkmalen des Kindes (z. B. Behinderungen, Entwicklungsfehler) und kann natürlich auch Mehrlingsschwangerschaften schnell erkennen.

Ultraschall-Flatrate und Babywatching

Wenn sich keine Auffälligkeiten zeigen, dann übernehmen die Krankenkassen keine weiteren Ultraschall-Screenings. Viele Mütter oder Eltern wünschen sich dennoch zusätzliche Ultraschalluntersuchungen, um sicher zu gehen, dass alles in Ordnung ist oder einfach, weil sie so oft wie möglich ihr Baby sehen möchten.

Bisher war das kein Problem. Denn man konnte den Arzt um die zusätzlichen Screenings bitten und diese dann aus eigener Tasche bezahlen – ca. 20 bis 30 Euro pro Screening. Manche Frauenärzte bieten auch eine Ultraschall-Flatrate an, was bedeutet, dass bei jedem Arzttermin (alle vier Wochen, ab der 32. Woche alle zwei Wochen) ein Screening gemacht wird. Auch diese Flatrate muss selbst bezahlt werden. Kostenpunkt 100 bis 130 Euro.

Ärzte unterstützen das, einerseits natürlich weil es eine wunderbare zusätzliche Einnahmequelle ist, andererseits weil sie die Mutter-Kind-Bindung dadurch stärken möchten. Denn wenn die Mutter ihr Kind oft sehe, könne sie schon vor der Geburt eine emotionale Beziehung zu ihm aufbauen. Dass die Frau ihr Baby immer ganz nah bei sich hat, es in ihrem Körper trägt, genügt dazu im Ultraschall-Zeitalter also nicht mehr.

 

Ultraschall-Studios und Babywatching zu Hause

Inzwischen bieten ausserdem Unternehmen in ihren sog. Ultraschall-Studios Schwangeren und ihren Familien das Babywatching an. Ultraschall-Termine gibt’s dort ohne Wartezeiten. Man erhält nicht nur die üblichen Schwarz-Weiss-Bildchen, sondern 3D-Ultraschallbilder, gerne auch als Kunstdruck auf Leinwand, oder 4D-Videos über die gesamte Ultraschall-Länge von 30 bis 45 Minuten.

Auch Ultraschallgeräte für zu Hause sind erhältlich, wie der Babywatcher, den man sich einfach für ein paar Tage mieten kann und mit dem dann jede Mutter wann immer sie Lust und Laune hat, ihr Kind beschallen und angucken kann.

Nur ausgebildete Fachkräfte sollten Ultraschalluntersuchungen durchführen





Allerdings ist es gesetzlich vorgeschrieben, dass eigentlich nur derjenige ein Ultraschallgerät zu gewerblichen Zwecken bedienen darf, der auch eine entsprechende medizinische Ausbildung absolviert hat sowie über die entsprechenden Kenntnisse verfügt. Ob sich derart ausgebildete Fachkräfte in den Ultraschall-Studios finden lassen, darf bezweifelt werden.

Auch CTG und Dopton werden ohne medizinische Indikation verboten

Ab 2021 werden Ultraschall-Studios u. ä. jedoch in jedem Fall verboten sein. Und nicht nur der Wunsch-Ultraschall gehört dann der Vergangenheit an – ob im Studio oder beim Frauenarzt. Auch CTG und Dopton sind (wenn keine medizinische Notwendigkeit besteht) bei diesem Verbot mit inbegriffen.

Beide Verfahren funktionieren ebenfalls mit Ultraschall und werden zum Abhören der Herztöne des ungeborenen Kindes (Dopton) bzw. zur Aufzeichnung der Herzschlagfrequenz des Kindes und der Wehentätigkeit der Mutter (CTG) eingesetzt.

 

Es gibt nur unzureichende Informationen über die Ultraschall-Auswirkungen

Das BMU (Bundesministerium für Umwelt, Strahlenschutz und Reaktorsicherheit) hat das Gesetzgebungsverfahren zum Verbot des Wunsch-Ultraschalls noch im alten Jahr abgeschlossen und im Bundesgesetzblatt veröffentlicht, denn „es fehlen verlässliche Untersuchungen über die Folgen dieser Anwendung.“

Weiterhin beruft man sich auf das Gutachten der Strahlenschutzkommission, welches vom BMU in Auftrag gegeben wurde. Hierin heisst es konkret:

„Angesichts unzureichender Informationen über mögliche subtile biologische Wirkungen selbst bei diagnostischen Schallintensitäten auf den sich entwickelnden Fötus und dessen Gehirn mit potenziell bedenklichen Auswirkungen auf dessen Entwicklung wird es als nicht gerechtfertigt angesehen, die medizinische Untersuchung zur Anfertigung von Souvenirs (Fotos und Videos) über das medizinisch indizierte Mass hinaus auszudehnen (BMUS 2007, WFUMB 2010)."

Ist Ultraschall tatsächlich laut wie eine einfahrende U-Bahn?

Kritiker behaupten, ein Ultraschall sei für das Ungeborene „so laut wie eine einfahrende U-Bahn“. Auch soll sich durch die Schwingungen das Fruchtwasser erhitzen – so ein Zeitungsbericht der Frankfurter Rundschau aus dem Jahr 2012.

Der Chefarzt der Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe am Krankenhaus Nordwest in Frankfurt, Professor Dr. med. Eberhard Merz, verneint dies jedoch in besagtem Artikel und sagt, es gäbe keine Hinweise auf eine Schädigung des Fötus. Dennoch rät auch er, Ultraschall sicherheitshalber nur sparsam einzusetzen.

Ultraschallwellen betragen ca. 5 bis 10 Mhz und rangieren somit ausserhalb des menschlichen Gehörs. Da diese Wellen jedoch bei der Untersuchung gepulst werden, schliesst der Mediziner nicht aus, dass diese vom Fötus als ein hoher Ton wahrgenommen werden könnten.

Zu dem Ergebnis, dass ein Ultraschall unangenehm laut wäre, kam man einst, nachdem man einer Probandin ein sog. Hydrophon im Uterus platziert und die hörbaren Auswirkungen des Ultraschalls getestet hat. Beim An- und Abschalten des Ultraschallgeräts war ein Ton, vergleichbar mit dem höchsten Ton eines Klaviers, zu vernehmen. Direkt an das Hydrophon gehalten, war dies so laut, wie die zitierte einfahrende U-Bahn mit 100 Dezibel. Die Ergebnisse wurden jedoch nicht in einer wissenschaftlichen Zeitschrift veröffentlicht.





Erwärmt Ultraschall das Fruchtwasser?

Auf eine mögliche Erwärmung des Fruchtwassers durch die Schallwellen weisen Tierversuche hin. Hierbei haben sich Gewebeteile bei einer Routine-Ultraschalluntersuchung um ca. 1 Grad Celsius erhöht, beim gepulsten Doppler-Verfahren nach einigen Minuten sogar um 4 Grad Celsius. Dieses Verfahren wird jedoch nur angewandt, wenn Herz und Gefässe des Ungeborenen untersucht werden müssen, was nur einige Sekunden lang dauere.

 

Bisherige Studien zu Ultraschalluntersuchungen in der Schwangerschaft

Studien zu Ultraschalluntersuchungen sind aus ethischen Gründen mit Schwangeren kaum durchführbar, daher gibt es fast nur Tierstudien. Nachfolgend eine kurze Zusammenfassung einiger bislang veröffentlichter Studien zum Thema Ultraschall in der Schwangerschaft:

Ungeborene reagieren auf Ultraschalluntersuchung

In einer Studie der Mayo Clinic von 2001 mit 9 schwangeren Frauen zeigte sich, dass die ungeborenen Babys ganz eindeutig auf Untersuchungen mit gepulstem Ultraschall reagieren, es also wahrnehmen, wenn die Schallwellen in den Körper dringen.

Ultraschall beeinflusst Gehirnentwicklung bei Mäusen

In einer Untersuchung von 2006 an 335 Mäusen zeigte sich eine schlechtere Gehirnentwicklung bei jenen, die während der Schwangerschaft 30 Minuten oder länger einem Ultraschall ausgesetzt waren. Es kam bei diesen Tieren zu einer hohen Zahl an Neuronen (Nervenzellen), die so irritiert waren, dass sie nicht mehr ordnungsgemäss zum Aufbau des Gehirns beitragen konnten.  

 

Meta-Analyse: Ultraschall scheint sicher

Eine Meta-Analyse von 2009 kam zu dem Schluss, dass aufgrund der vorliegenden, ausgewerteten Studien kein Anlass zur Besorgnis gäbe und Ultraschalluntersuchungen sicher seien.

Diese Meta-Analyse ist jedoch nicht sehr aussagekräftig, was die Autoren selbst betonen. Nur 41 Studien konnten ausgewertet werden, da nur diese die notwendigen Kriterien erfüllten. Und nur 12 dieser 41 Studien enthielten dann auch konkrete Daten zur Anzahl der Ultraschalluntersuchungen und den jeweiligen Auswirkungen.

Die Autoren schliessen daher auch damit, dass Ultraschalluntersuchungen nach den vorliegenden Daten als sicher scheinen(!), doch ausschliesslich nach dem sog. ALARA-Prinzip erfolgen sollten. ALARA steht für As Low As Reasonably Achievable, was heisst: So viel wie nötig, so wenig wie möglich bzw. in Bezug auf den Ultraschall: nicht zu lange beschallen, nicht zu viele Screenings, keine High-Definition-Scans (3D) und nur auf ärztlichen Rat oder aus medizinischer Notwendigkeit.

Linkshändigkeit durch Ultraschall?

Auch eine Verbindung von Linkshändigkeit durch die Einwirkung von Ultraschall auf das sich entwickelnde Gehirn wird immer wieder diskutiert. In einer Meta-Analyse von 2011mit den Daten von über 8.865 Kindern wurde ein statistisch signifikanter, jedoch schwacher Zusammenhang von Ultraschalluntersuchungen und einer Linkshändigkeit festgestellt.

Gibt es einen Zusammenhang zwischen Ultraschall und Autismus

In einer Studie von 2012 wurde eine Verbindung zwischen den beiden Sachverhalten diskutiert, da in den letzten 20 Jahren das Vorkommen von Autismus angestiegen sei und zeitgleich auch der Einsatz von Ultraschall in der Schwangerschaftsvorsorge.

Es gibt jedoch keine Beweise hierzu – so die Schlussfolgerung – zumal die Entstehung von Autismus viele Ursachen haben könne, wie Genetik, Umweltgifte oder auch schwierige Umstände während der Schwangerschaft und Geburt.

Im Frühjahr 2018 wurde das Thema Autismus erneut aufgegriffen. Wissenschaftler der Boston University School of Medicine haben in einer Studie die Daten von insgesamt 420 Kindern untersucht: 107 mit Autismus, 104 mit Entwicklungsstörungen und 209 Kinder mit normaler Entwicklung.

Es zeigte sich, dass autistische Kinder in der Schwangerschaft tieferen Schallfrequenzen (die tiefer ins Gewebe eindringen) während des Ultraschalls ausgesetzt waren als die anderen Kinder, so dass hier durchaus ein Zusammenhang gesehen werden kann.





Gehörschäden durch Ultraschall?

In einer Studie von 2013 wurde überprüft, ob Ultraschalluntersuchungen zu einem Hörschaden oder gar Hörverlust beitragen könnten. Hierzu wurden die Daten von 100 Kindern ausgewertet. Ein möglicher Zusammenhang zwischen einer höheren Zahl an Ultraschallscans und einem Hörverlust oder Hörschaden konnte hierbei jedoch nicht gefunden werden.

Nutzen und Notwendigkeit muss immer abgewogen werden

Auch die Schlussfolgerung einer Studie von 2013 gibt an, dass der Ultraschall zwar als eine bequeme, schmerzfreie und relativ sichere Untersuchungsform mit sehr präzisen Ergebnissen gilt, dass aber dennoch Nutzen und Notwendigkeit abgewogen werden sollten. Denn wie bei fast jeder medizinischen Massnahme könnten auch hier mögliche unerwünschte Wirkungen auftreten. Schliesslich sei Ultraschall eine Form von Energie, die sich auch negativ auf das Gewebe auswirken könne, die sie durchquert. Daher müsse die Wissenschaft nun überprüfen, ob diese Effekte auch schädlich sein könnten.

Ultraschall verändert das soziale Verhalten

In einer Studie aus dem Jahr 2014 ergab sich, dass Mäusekinder, die als Embryonen am 14. Tag der Schwangerschaft 30 Minuten lang einem Ultraschall ausgesetzt waren, im Vergleich zur Kontrollgruppe (nicht beschallte Mäusekinder) ein anderes soziales Verhalten an den Tag legten.

Die behandelten Tiere zeigten deutlich weniger Interesse an einer sozialen Interaktion, waren jedoch in Gegenwart einer unbekannten Maus hyperaktiv. Man sieht hier möglicherweise einen Hinweis darauf, dass häufige Ultraschalluntersuchungen auch beim Menschen zu entsprechenden Verhaltensänderungen führen könnten oder sogar Autismus begünstigen könnten.

Kognitive Defizite durch Ultraschall

In einem Versuch von 2015 wurden schwangere Ratten am Tag 6, 12 und 18 der Schwangerschaft für 4 oder 20 Minuten einem Ultraschall ausgesetzt. Die Kinder dieser Ratten zeigten deutliche kognitive Defizite.

Frühere Studien finden Sie in unserem ersten Ultraschall-Artikel in dessen Quellenverzeichnis.

 

Fazit: Ultraschall nur wenn unbedingt erforderlich!

Es gibt derzeit keine eindeutigen Hinweise darauf, dass das Ungeborene durch eine Ultraschalluntersuchung in irgendeiner Weise geschädigt wird. Allerdings gibt es auch keine Belege dafür, dass Ultraschalluntersuchungen vollkommen harmlos sind. Denn niemand kann ausschliessen, dass es nicht doch zu subtilen Schädigungen kommt, die man nur noch nicht nachweisen konnte und die vielleicht dazu führen könnten, dass das Kind beispielsweise im Erwachsenenalter einmal eher an dieser oder jener Krankheit erkranken wird.

Daher gilt: Man sollte nur so oft wie nötig eine Ultraschalluntersuchung durchführen lassen und überflüssige Ultraschall-Babywatchings in jedem Fall unterlassen. Auch sollten Ultraschalluntersuchungen in der Schwangerschaft ausschliesslich von Ärzten mit entsprechender Fachkompetenz durchgeführt werden.

Werdende Mütter, die bislang Ultraschalluntersuchungen ablehnten, galten bis vor kurzem noch als verantwortungslos oder aber als hysterisch, weil sie Gefahren sahen, wo angeblich gar keine waren. Mit einem Mal aber gelten diese Frauen als sehr vorausschauend und werden künftig in ihrer Entscheidung sicher auch von ihrem Arzt unterstützt werden. 


Quelle: Zentrum der GEsundheit


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