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Tropische Korallen im Hitzestress

December 20, 2018, 4:17 pm

Type: Erde

       




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Quelle Image:  Unbekannt

 

Die ersten Anzeichen des Klimawandels beginnen weltweit in vielen Bereichen sichtbar zu werden. Besonders das Fernsehen konzentriert sich auf die Gebiete, in denen der Wandel sich am plakativsten zur Schau stellt und darstellen lässt. Und so wurden schmelzende Gletscher und Polkappen zum Sinnbild der Klimaerwärmung schlechthin. 

Der Klimawandel und seine Folgen hat jedoch viele Gesichter. Viele davon sind in Europa kaum bekannt, obwohl sie hunderte Millionen Menschen direkt treffen werden – wie die Bevölkerung der Küstengebiete in den Tropen, die zu den am dichtesten besiedelten Gebieten der Erde gehören. Hier konzentrieren sich auch die Vorkommen der Korallenriffe, die wegen ihrer extremen Artenvielfalt oft als Regenwälder der Erde bezeichnet werden und Millionen naturbegeisterte Sporttaucher immer wieder aufs Neue faszinieren. Ihre vielfältige wirtschaftliche und ökologische Bedeutung macht sie unverzichtbar für Mensch und Natur. Gleichzeitig sind sie wie kaum ein anderes Ökosystem doppelt und unmittelbar von Klimaerwärmung und Kohlendioxidausstoß betroffen. Trotzdem werden die Hauptgefahren für Korallenriffe von den meisten Menschen noch immer ganz wo anders vermutet.

 

Lieben Taucher ihre Riffe zu Tode?





Korallenriff

Der Tauchsport boomt. Alleine in Deutschland geht die Zahl der Tauchanhänger inzwischen in die Millionen. Für Staaten wie die Malediven ist der Tauchtourismus schon längst zu einer Haupteinnahmequelle geworden. In Australien ist der Tourismus der zweitwichtigste Wirtschaftszweig des Landes und die vielfältigen Wassersportmöglichkeiten einer der Hauptanziehungspunkte. Millionen Besucher sorgen jährlich allein im Great Barrier Reef für einen Milliarden-Umsatz in der Tourismusindustrie. 

Viele sehen deswegen im Tourismus die größte Gefahr für die Korallenriffe – völlig zu Unrecht! Natürlich bleibt Tauchen wie jede andere Freizeitbeschäftigung in der freien Natur nicht ohne negative Folgen für die Umwelt. Das gilt für das Tauchen ebenso wie für Wandern, Skifahren, Mountainbiking, Klettern etc.

Die direkten negativen Auswirkungen des Tauchens lassen sich aber begrenzen – durch das Verhalten des einzelnen Tauchers und beispielsweise durch Maßnahmen der Tauchveranstalter wie die Installation von Bojen, die das Ankerwerfen überflüssig machen. Was bleibt sind die erheblichen Umweltbelastungen durch den Flug in die Tauchgebiete. Hier gibt es neben dem Verzicht nur zwei Möglichkeiten: Kompensation der Klimagase, wie sie zum Beispiel über atmosfair möglich ist oder persönliche Einsparungen und Maßnahmen an anderer Stelle (Verzicht auf Inlandsflüge, Wechsel zu Ökostromanbieter, Energiesparmaßnahmen im Haushalt usw.).

 

Oder gehen vom Tauchtourismus auch Chancen aus?

Koralle





Korallen wachsen nicht in den Himmel, aber der Sonne entgegen.

Auf der anderen Seite bekommt intakte Natur durch den Tourismus eine messbare wirtschaftliche Bedeutung und schafft oft erst dadurch die Bereitschaft in Politik und Wirtschaft, sich ernsthaft für deren Schutz einzusetzen. Ein lebender Hai als Attraktion für Tauchtouristen kann eben auch in Münzen umgerechnet wesentlich mehr wert sein als eine Kiste Haifischflossensuppe. Selbst das weltweit größte Korallenschutzgebiet, das australischen Great Barrier Reef, verdankt seinen Nationalparkstatus ganz entscheidend seinem wirtschaftlichen Wert für die Tourismusindustrie. 

Gesetze sind wichtig. Aber die Unterstützung der Bevölkerung vor Ort ist es ebenso wie das Beispiel Philippinen zeigt. Die Gesetze zum Schutz der Riffe sind streng und eindeutig, aber in einem Land das aus mehr als 6000 Inseln besteht schwer zu kontrollieren. Gerade Tourismusunternehmen und ortsansässige Fischer, die ihre Existenzgrundlage gleichzeitig erhalten und nachhaltig nutzen wollen, sorgen deswegen schon heute an vielen Orten selbst für die Einhaltung der Schutzbestimmungen in ihrer Region. Viele wichtige Schritte in die richtige Richtung, denn nicht nur auf den Philippinen werden sich nicht alle Riffe durch ein Verbot jeglicher Nutzung schützen lassen, sondern eher durch eine nachhaltige und naturverträgliche Nutzung.

 

Zerstörung im Verborgenen

Fisch in Koralle

Riffe werden noch schneller als Regenwälder zerstört, warum nimmt die Öffentlichkeit so wenig Notiz davon? Dafür gibt es mindestens zwei Antworten. Korallenriffe werden meist nicht über Nacht, sondern über Jahre zerstört. Der Korallenbewuchs verschwindet allmählich und wird durch Algen ersetzt, einhergehend mit einem dramatischen Verlust an Artenvielfalt. Beides ist nur über aufwendige und in langen Zeitabständen wiederholte Untersuchungen messbar. 

Die Zerstörung der Korallenriffe lässt sich auch nicht wie der Rückgang der Regenwälder mit Satelliten aus dem Weltall beobachten. Sie finden unter der Wasseroberfläche und damit im Verborgenen statt. Für die meisten Menschen jedenfalls, nicht aber für Tauchurlauber. Der Mensch schützt vor allem das, was er kennt. Die Millionen Taucher könnten deswegen eine Hauptrolle beim Schutz der Riffe spielen, und weit mehr tun, als nur Korallen beim Tauchen nicht selbst zu beschädigen. Sie könnten helfen, die Probleme unter Wasser an die Oberfläche und ins öffentliche Bewusstsein zu bringen. Sie haben nicht Schuld, aber vielleicht eine besondere Verantwortung. Statt den Tauchern und der Tauchtourismusindustrie die weltweite Zerstörung der Riffe anzulasten, sollten sie in dieser Rolle unterstützt und zu Verbündeten gemacht werden im Kampf gegen die wirklichen Gefahren für die Unterwasserwelt.

 

Was sind die größten Gefahren für den Bestand der Korallenriffe?

Vor zehn Jahren hätte die Antwort noch gelautet: Meerwasserverschmutzung und Überfischung. Diese Gefahren sind ohne Zweifel immer noch weltweit existent und sehr ernste Bedrohungen. Ihren Rang als Gefahrenquelle Nummer eins haben sie aber inzwischen verloren und abgetreten an globale Gefahren, die sich selbst in menschenleeren Gebieten auswirken und auch vor Nationalparkgrenzen nicht halt machen: Klimawandel und Versauerung der Ozeane.

 





Korallen setzen auf Sonnenenergie

Korallenriff

Die extreme Artenvielfalt der tropischen Korallenriffe in eigentlich nährstoffarmen Gewässern basiert auf einer faszinierenden Partnerschaft zwischen Tieren und Pflanzen. Korallen sind die Hauptbaumeister der Riffe und werden fälschlicherweise oft für Pflanzen gehalten. Mit schuld daran ist das starke Lichtbedürfnis der Tiere, das sich aus der Symbiose mit einzelligen Algen erklärt, die in den Zellen der Korallen leben. Diese enge Bindung lohnt sich für beide Partner: Die Korallen düngen ihre Algen mit ihren Stoffwechselabfällen und erhalten dafür einen Teil der pflanzlichen Photosyntheseprodukte.

 

Neue Bedrohung Klimawandel

Diese Partnerschaft hat über Jahrmillionen bestens funktioniert und den Erfolg der Korallen begründet. Gleichzeitig ist sie aber auch zur Achillesferse der Korallen geworden, denn die meisten der tropischen Korallenarten können sich nicht mehr alleine vom Planktonfang ernähren und sind auf ihre pflanzlichen Untermieter angewiesen. Trotzdem stoßen sie unter bestimmten Stressbedingungen, allen voran einer zu hohen Wassertemperatur, ihre Algen aus. Wenn sich das Wasser nicht innerhalb kurzer Zeit wieder abkühlt sind sie so dem Verhungern preisgegeben. Da die Algen den Korallen auch ihre Färbung verleihen, ist diese Vorstufe zum Hungertod auch äußerlich als Korallenbleiche erkennbar.

In den letzten Jahren und Jahrzehnten hat diese Gefahr dramatische Ausmaße angenommen und zum Absterben ganzer Riffe geführt. Fische und andere Meeresbewohner verlieren damit ebenfalls ihren Lebensraum, Fischer und Tourismusangestellte ihre Existenzgrundlage. Und das ist noch nicht einmal die einzige Bedrohung für die tropischen Korallenriffe, die sich aus der Klimaerwärmung ergibt. Tropische Wirbelstürme, die in Folge der Klimaänderungen häufiger und heftiger auftreten, hinterlassen auch unter Wasser Schneisen der Verwüstung. Die aufgewühlte See zertrümmert teilweise noch in 20 bis 30 Metern Wassertiefe in Jahrzehnten gewachsene Korallenkolonien.

 

Haben Sie eine Kaffeemaschine daheim?

absterbende Koralle

 

Wenn ja, werden Sie die ab und an entkalken müssen. Egal was sie dafür benutzen, der eigentliche Wirkstoff darin, der die Kalkablagerungen auflöst, ist immer irgendeine Säure. Kohlendioxid in Wasser gelöst bildet auch eine schwache Säure: die Kohlensäure, die wir alle aus Erfrischungsgetränken kennen und schätzen. Die Meeresbewohner schätzen sie weniger, denn viele haben Schalen und Skelette aus Kalk.

Die Meere haben bisher etwa die Hälfte des durch die Menschheit in die Atmosphäre geblasenen Kohlendioxids absorbiert. Lange Zeit wurde das als Segen angesehen, weil die Klimaerwärmung dadurch verzögert wurde – ohne groß darüber nachzudenken, welche langfristigen Auswirkungen sich durch die Veränderungen in der Meerwasserchemie für die Meeresbewohner ergeben könnten.
Mehr Kohlendioxid in der Atmosphäre führt ganz allmählich zu einer Absenkung des pH-Wertes, der darüber entscheidet, ob eine Flüssigkeit sauer ist oder alkalisch reagiert. Das Meerwasser, das wir kennen, ist trotz der bereits erfolgten Absenkung des pH-Werts immer noch schwach alkalisch, chemisch gesehen also das Gegenteil einer Säure. 

Leider kein Grund zur Entwarnung: Schon jetzt stößt die bis heute erfolgte Verminderung des pH-Werts den Korallen und anderen Meeresorganismen sauer auf. Das Wachstum ihrer Skelette und Schalen ist messbar verlangsamt und teilweise gestört. Der weiter zunehmende Kohlendioxidgehalt in der Atmosphäre wird nicht nur das Klima weiter anheizen, sondern auch den pH-Wert weiter absenken und damit – neben vielen anderen Auswirkungen – auch das Korallenwachstum weiter verlangsamen. Riffe sind dynamische Systeme. Die natürliche Erosion durch Brandung, Stürme und alle möglichen Organismen, die an ihnen knabbern, hat schon immer an ihrer Substanz genagt. Korallen waren bisher nur in der Lage, schnell genug zu wachsen, um diesen natürlichen Abbau zu kompensieren. Die Frage ist nur: wie lange noch? Wenn wir die fossilen Kohlenstoffvorräte weiter in dieser Geschwindigkeit in Luft auflösen, werden vermutlich auch heute lebende Menschen noch die Auflösung der Korallenriffe im Meerwasser erleben können.





 

Der Mensch nutzt nur zehn Prozent seines Gehirns

Das ist eine oft zitierte These, über die sich sicher streiten lässt. Aber eines sollte uns zu denken geben: Die scheinbar so primitiven Korallen, die wissenschaftlich nachgewiesen überhaupt kein Gehirn besitzen, setzen schon seit Jahrmillionen mit Hilfe ihrer Partneralgen auf die Energie der Sonne. Heute sind sie vor allem dadurch bedroht, dass wir Menschen unsere Hirne – mit wie viel Prozent auch immer - nicht richtig nutzen.

Der Schutz der Riffe ist kein Luxusproblem – auch nicht in Zeiten von Bankenkrisen. Es steht mehr auf dem Spiel als nur der Schutz einiger bunter Fische.

 

Hier noch ein Interessanter Artikel dazu:  Korallenriff Japan


Quelle: Nabu



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