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So soll die Blockchain im Kampf gegen Blutdiamanten helfen

January 12, 2019, 8:50 pm

Type: Rechte

       




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Quelle Image:  Foto: Reuters

 

Die Bodenschätze der Welt sorgen seit Jahrhunderten für bewaffnete Konflikte, Handelskriege – und für Sklaverei unter unmenschlichen Bedingungen. Besonders hart getroffen ist davon Afrika. Als Mitte des 19. Jahrhunderts in Südafrika riesige Vorkommen an Rohdiamanten entdeckt wurden, steckten sich herbeigeströmte Diamantsucher zunächst einzelne Claims ab, um ihr Glück zu finden. Doch bald wurde klar, dass man nur dann genügend Edelsteine an die Oberfläche befördern kann, wenn man sein Kapital gemeinsam einsetzt und auf industrielle Methoden setzt. Die Minenarbeiter schlossen sich zusammen und so entstand unter Führung des britischen Kolonialherren Cecil Rhodes das Unternehmen De Beers.

De Beers entwickelte sich schnell zu einem Großkartell mit einem klaren Ziel: den weltweiten Diamantenhandel unter Kontrolle bringen. In Afrika und anderswo wurden so viele der glitzernden Steine gefunden, dass ihr Wert schnell gesunken wäre – wäre ihr Handel nicht von einer zentralen Stelle reglementiert worden. Um 1900 hatte das De-Beers-Kartell 90 Prozent der weltweiten Diamantenproduktion in seiner Hand und konnte die Preise so weit nach oben treiben, wie es ihm gefiel. Als die Nachfrage nach den Luxussteinen in den 1940ern sank, startete De Beers die Werbekampagne „Diamonds are Forever“ in den USA, die das Verschenken von Diamanten mit einer Liebeserklärung gleichsetzte. Das Monopol hat sich mittlerweile verkleinert, aber bis heute richtet sich der Preis für Diamanten nach dem Wert, den De Beers – inzwischen Teil des Anglo American Konzerns – festlegt.

 

Blutdiamanten finanzieren brutale Konflikte

Die Bedingungen für Minenarbeiter sind auch heute noch unvorstellbar hart. Hinzu kommt, dass viele Konflikte in Afrika durch den Diamantenhandel finanziert werden. Milizen in Ländern wie Angola, Sierra Leone und Simbabwe nutzen den Verkauf der Bodenschätze, um sich bewaffnen zu können – für brutale Kriege gegen einzelne Bevölkerungsgruppen. Ende der 1990er wurden diese Missstände dann einer größeren Öffentlichkeit bekannt. Die Konfliktdiamanten oder Blutdiamanten kamen in die Kritik.

Diamanten sind nicht die einzigen Konfliktmineralien, deren Handel mit Menschenrechtsverletzungen in Verbindung steht. Zu den problematischsten Rohstoffen gehören Gold, Zinnerz, Wolframerz und Tantalerz (Coltan), oft unter der Oberbezeichnung 3TG (für die englischen Begriffe Tungsten, Tantalum, Tin und Gold) zusammengefasst. Diese Bodenschätze stecken in Smartphones, Kameralinsen und vielen anderen elektronischen Geräten.

 

Die Definition von „Konfliktdiamanten“ ist nicht eindeutig

2003 einigte sich die Vollversammlung der Vereinten Nationen auf den Kimberley-Prozess. Durch den sollte ein Zertifikationssystem geschaffen werden, das garantiert, dass „die Präsenz von Konfliktdiamanten in der Kette von Produktion, Export und Import von Rohdiamanten in den teilnehmenden Ländern eliminiert“ wird. Viele Beobachter betrachten diese Bemühungen kritisch. Ein einmalig ausgestelltes Zertifikat lässt sich fälschen, besonders, wenn sich mehrere Parteien wie Minenbesitzer und Kontrolleure dabei zusammentun.

Auch die offizielle Definition von Konfliktdiamanten ist nicht eindeutig und lässt Schlupflöcher offen. So zählen Steine, die unter korrupten aber legitimen Regierungen, mit Kinder- und Zwangsarbeit abgebaut werden, nicht zu dieser Bezeichnung, da es sich dabei nicht um Rebellengruppen handelt. Unterm Strich gilt der Kimberley-Prozess zwar als Schritt in die richtige Richtung und hat durchaus eine Reduzierung der im Umlauf befindlichen Blutdiamanten erreicht, in den betroffenen Ländern werden allerdings immer noch schwerste Menschenrechtsverletzungen mit Konfliktmineralien finanziert.

 





Kann die Blockchain den Strom der Konfliktmineralien filtern?

Um den Handel mit Konfliktdiamanten weiter einzudämmen und Lieferwege besser kontrollieren zu können, stellt sich die Industrie jetzt auf Unterstützung durch die Blockchain-Technologie ein. Von der Mine bis zum Endverbraucher gehen Mineralien durch eine lange Reihe an Stationen. Einmal der Erde entnommen, werden die Steine von einer Zertifizierungsstelle abgenommen, von Exporteuren, Transportfirmen und Importeuren durch die Welt geschickt und vom Rohstoff zum Schmuckstein oder für andere Zwecke zurechtgeschliffen.

Mit einer Blockchain-Verfolgung wird der Weg der einzelnen Steine bei jeder Station durch Timestamps – also Zeitmarken – bestätigt und zwar so, dass die entsprechenden Datenblöcke hinterher nicht mehr verändert werden können. An jedem Abschnitt der Kette kann eindeutig nachgeforscht werden, wo der Stein herkommt und durch wessen Hände er gegangen ist. Idealerweise entsteht so eine unabhängige, lückenlose und transparente Lieferkette. Aufgrund des kontinuierlichen Zusammenwirkens vieler vertrauenswürdiger Einzelstationen könnte es nicht registrierten Produzenten, Schmugglern und Fälschern schwierig bis unmöglich gemacht werden, ihre Steine auf den internationalen Markt zu bringen. Soweit die Theorie.

 

IBM setzt auf Everledger

Eines der bislang größten in diesem Bereich eingesetzten Projekte ist Everledger. Dieses System arbeitet mit der von IBM entwickelten Blockchain für Lieferketten, welche wiederum auf der Linux-basierten Distributed Ledger Technologie Hyperledger Fabric aufbaut. Everledger will Transparenz für die Herkunft verschiedener Wertgegenstände schaffen und aus den komplexen, fragmentierten Lieferketten ein „Ökosystem des Vertrauens“ aufbauen. Die über diese Plattform gehandelten Diamanten haben Kimberley-Prozess-Zertifikate. Sie werden mit einer speziellen non-destruktiven Technik nach über 40 Eigenschaften wie Farbe und Reinheit bewertet und erhalten eindeutige IDs. In der Blockchain entsteht dann eine Chronik, auf der die wechselnden Halter und Besitzer bis zum Endkunden eingetragen werden. Über 2,2 Millionen Diamanten wurden von Everledger bereits auf diese Weise markiert.

 

Wer bekommt Einblick in die Blockchain?

Zu den bekanntesten Vorteilen vieler Blockchain-Technologien, wie zum Beispiel Bitcoin, gehören Transparenz und Vertrauen durch Dezentralität. Dies ist unter anderem möglich, da neue Nutzer keine besondere Erlaubnis brauchen, um Einblicke in das Netzwerk zu bekommen. Jeder kann eintreten und bei Transaktionen und deren Verifizierungen teilnehmen. Solche Blockchains werden als permissionless bezeichnet.

Bei industriellem Einsatz wollen Akteure allerdings oft Kontrolle über ihre Netzwerke behalten. Deshalb setzen viele Unternehmen für ihre Logistik auf permissioned Blockchains, wo die Teilnehmer erst von einer zentralen Stelle freigeschaltet werden müssen und je nach Status bestimmte Rechte erhalten. So läuft das auch bei der IBM-Lösung für Lieferketten. Permissioned Blockchains wollen nicht dezentral sein, sondern setzen auf andere Vorteile der Distributed-Ledger-Technologie, wie Unveränderlichkeit, automatisierte Datensynchronisation, Privatsphäre und Sicherheit. Kritiker befürchten, dass auf solchen abgeschlossenen Datenketten die Gefahr von Korruption besteht – nicht nur bei brisanten Waren wie Konfliktmineralien.

Der Abstrich an Dezentralität zugunsten interner Sicherheit wird derzeit bei den Anstrengungen von IBM und Maersk für die gemeinsame Logistiklösung TradeLens deutlich. Hierbei soll der Welthandel auf einer permissioned Blockchain registriert und kontrolliert werden. Viele Wettbewerber sind skeptisch und nehmen Abstand, da der Logistikriese Maersk die geistigen Eigentumsrechte an dem System behalten will – und damit das letzte Wort. Auf die Problematik angesprochen verweist Everledger, das auch für die Diamanten zum Einsatz kommt, auf den Einsatz des Federated-Consensus-Protokolls, das die technischen Voraussetzungen für Übereinkünfte innerhalb der Blockchain schafft. Das soll Mauscheleien verhindern.

 

Der Diamantenriese De Beer arbeitet an einer eigenen Lösung

Auch der Diamantengigant De Beer arbeitet an einer eigenen Blockchain-Lösung für seine Diamanten. Diese nennt sich Tracr und wird in Zusammenarbeit mit mehreren großen Diamantenproduzenten und anderen Partnern entwickelt. Tracr will ebenfalls dafür sorgen, dass jeder Stein seine eigene globale ID erhält, die dann über die fälschungssichere Datenkette geleitet wird. Auch hier behalten sich die Blockchain-Autoritäten vor, selber zu entscheiden, wem sie Zugang zu ihrem Netzwerk gewähren und wem nicht.

Ein Beispiel für eine Lösung auf einer permissionless, also offenen Blockchain ist Minespider. Das entsprechende Open-Source-Protokoll arbeitet mit der Ethereum Blockchain und stellt Dezentralität und selbsterhaltende Datensouveränität in den Vordergrund. Die Entwickler arbeiten mit Organisationen wie der Responsible Minerals Initiative und BetterChain.orgzusammen. Der Fokus hier liegt zunächst auf Gold, die Technologie ist aber auf andere Bodenschätze wie Diamanten übertragbar. Die einzigen Informationen der Lieferkette, die aus Sicherheitsgründen nicht einsehbar sein werden, sind die Transportzeiten und –arten, wenn die wertvollen Rohstoffe die Minen verlassen.





Ein Problem bei dezentralen Ketten wie dieser ist es, den Teilnehmern ausreichend Anreize zu geben, keine falschen Daten einzutragen. Minespider will hierfür einen eigenen Token entwickeln, mit dem die Teilnehmer belohnt werden. Jeder in der Kette erhält einen Confidence Score, der steigt, je zuverlässiger er arbeitet, und der ihnen im Falle von falscher Dateneingabe wieder entzogen werden kann. Noch ist Minespider in der fortgeschrittenen Entwicklungsphase. Ein Pilotprojekt ist für das Ende des ersten Quartals 2019 geplant.

Für viele Akteure in der Industrie steht fest, dass die Blockchain die Zukunft für komplexe Lieferketten darstellt. Der Minespider-CEO Nathan Williams sieht keine Schwierigkeit, die Menschen von der Notwendigkeit der Blockchain zu überzeugen: „Jetzt gerade haben alle Angst, den Einstieg zu verpassen.“ Der Markt sei groß genug für mehrere Anbieter von logistischen Distributed Ledger Lösungen und die Entwicklung ist noch sehr jung, so dass man nun beobachten könne, wie sich dieses Ökosystem entwickle. Die Frage ist, in welchen Segmenten sich welche Systeme durchsetzen und ob die Vorteile nur für die Industrie relevant sein werden, oder ob sich tatsächlich an den Missständen an den Anfängen der Ketten etwas ändern wird.


Quelle: Wired



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