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Ray Kurzweil und die Cyborgs

9 August 2019, 11:49

Technik





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Quelle image: Computergrafik eines Menschen mit Implantaten. (imago/Ikon Images)


South by Southwest ist eines der wichtigsten Medienfestivals der Welt. Google-Futurist Ray Kurzweil schwärmte zur Eröffnung von Superintelligenz und Unsterblichkeit. Auf der ersten Cyborg Pride Parade protestierten derweil Aktivisten für die Rechte von Menschen mit technologischen Geräten im Körper.

 

 

Ray Kurzweil ist Leiter der technischen Entwicklung bei Google und in den vergangenen Jahren zu einer der wichtigsten Persönlichkeiten im Bereich Zukunftsforschung geworden. Berühmt gemacht hat ihn die Aussage, dass wir im Jahr 2045 eine Künstliche Intelligenz haben werden, mit der die Menschheit unsterblich sein könnte: Man nennt das die „Singularität“. So eine Verheißung lockt natürlich. Die Schlange vor dem größten Saal im Messecenter ist lang. Viele teilen die Meinung einer wartenden Frau aus Atlanta.

„Wir werden diesen Umbruch in unserem Leben noch erleben. Aber was bedeutet das für unsere Generation, die eigentlich weiß, dass unser Leben irgendwann in einem bestimmten Alter enden wird? Wenn man dann aber so alt ist, will man dann die Singularität?“

 

Das Leben verlängern durch künstliche Intelligenz

Anders gesagt: Will man seinen Körper von einer Künstlichen Intelligenz kontrollieren lassen, um so das eigene Leben zu verlängern? Geht es nach Kurzweil, ist das ein ganz normaler Prozess, in dem sich die Menschheit seit Millionen von Jahren befindet. Das exponentielle Wachstum der technologischen Entwicklung lasse sich nicht aufhalten. Wir müssen uns damit abfinden und die Möglichkeiten darin erkennen. Für ihn ist das Fortschritt und ausschließlich positiv zu bewerten, wie er auf dem Podium immer wieder betont.





„Es gibt bereits jetzt schon kleine Geräte, die im Blutkreislauf Krankheiten diagnostizieren und therapieren können. Ich denke, dass sie in den frühen 30er-Jahren sehr komplex sein werden. Sie werden unser Immunsystem stärken. Sie werden auch Virtual und Augmented Reality unterstützen. Aber das Wichtigste wird sein, dass sie unsere Intelligenz erweitern und wir damit verschmelzen werden.“

Die Menschheit befinde sich gerade auf dem Weg, einer Künstlichen Intelligenz alles Menschliche beizubringen, um am Ende eine Art Superintelligenz zu entwickeln, die die gesamten Probleme der Welt lösen könne, so die Prophezeiung von Kurzweil. Dass wir aber noch weit davon entfernt sind, wurde bereits am Sonntag davor klar:

Da hatte sich eine kleine Gruppe von zehn Leuten zusammengefunden, um auf der weltweit ersten Cyborg Pride Parade in den Straßen von Austin zu demonstrieren und auf die derzeitigen Probleme von Menschen mit technologischen Geräten im Körper aufmerksam zu machen. Organisiert wurde sie von Richard MacKinnon, der auf dem South by Southwest auch einen Vortrag über den „Cyborg Stolz“ gehalten hat.

„Ein Cyborg ist eine Identität. Manche Leute entscheiden sich, Cyborgs zu werden, andere werden diskriminiert, weil sie Cyborgs sind.“

 

Ein Cyborg ist eine Identität

Was MacKinnon sagen will: Es gibt Menschen, die sich freiwillig Technologie unter die Haut pflanzen, um zum Beispiel Leuchtdioden blinken zu lassen. Andere wiederum tragen einen Herzschrittmacher, um zu überleben wurde. Alle vereint aber die Frage: Wie viel dieser Technologie gehört zu mir, also meinem Körper. Für die Demonstranten ist es eindeutig: Ich darf mit meinem Körper machen, was ich will. Dabei beziehen sie sich auf die von MacKinnon verfasste „Cyborg Bill of Rights“, die sich in fünf Punkten für mehr Eigenbestimmung einsetzt. Eine Forderung lautet: Freiheit der Demontage.





„Cyborgs haben vielleicht Teile, die man abnehmen kann, so wie eine Beinprothese. Manchmal ist das der Polizei oder dem Staat verdächtig. Am Flughafen wollen sie dann, dass man sie abnimmt. Diese Ignoranz und Angst führen also vielleicht dazu, sich unfreiwillig Teile seines Körpers entledigen zu müssen.“

 

Der US-Amerikaner Tim Cannon hält durch Magnetismus einen Kopfhörermagneten an seinem Finger. Seit dem Frühjahr 2011 trägt Cannon einen Magneten im Finger. Leute mit derartigen Modifikationen bezeichnen sich als "Cyborgs". (picture alliance / dpa / Ole Spata)Der US-Amerikaner Tim Cannon trägt einen Magneten im Finger. Er bezeichnet sich als Cyborg. (picture alliance / dpa / Ole Spata)

 

Was heute absurd klingt, mag in ein paar Jahren vielleicht aber schon zum Alltag gehören. Wenn Ray Kurzweil davon spricht, Nanotechnologie in die Blutbahn einzubauen, dann muss man sich auch fragen, ob diese kleinen Geräte nicht ein Teil des Körpers sind, in dem sie sich befinden. Und wem gehört das dann? Dem Träger oder gar der Firma, die es gebaut hat? Wer hat die Rechte? Wer bestimmt, wie es programmiert wird?

Auch Angel Giuffria stellt sich diese Frage. Sie ist eine von vielen South-by-Southwest-Besuchern, die ihre Prothesen ganz offen zeigen. Ihr rechter Roboterarm kann greifen und dazu noch in verschiedenen Farben aufleuchten.

„Es ist ein medizinisches Gerät, das versichert ist. Wenn man aber sein iPhone öffnet und damit herum spielt, verliert man seine Garantie. Wenn eine Firma also weiß, wie man seine eigene Prothese programmiert, verliert man auch seine Garantie und den Schutz. Aber für uns ist es kein Gerät. Wir können mit solchen Hilfsmitteln hören oder uns bewegen. Das ist ein Teil unseres Körpers. Es ist also ein schmaler Grad. Wer soll also die Kontrolle darüber haben?“

Da sich dabei die Interessen der Firmen und der privaten Personen gegenüberstehen, wird es wohl nicht einfach sein, eine Lösung zu finden. Denn am Ende unterliegt der Fortschritt immer auch wirtschaftlichen Interessen.

 

 


Quelle: deutschlandfunk


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