change language     -        


Polizei nutzt Gesichtserkennung für Demonstrationen

28 September 2020, 10:30

Rechte





news_image

Der polizeiliche Lichtbildvergleich in Österreich und Deutschland stammt von der Firma Cognitech aus Dresden. In beiden Ländern wurde die Technik in Ermittlungen nach politischen Versammlungen genutzt. Die EU will Abfragen von Gesichtsbildern zukünftig in allen Mitgliedstaaten ermöglichen.


 

Das Bundeskriminalamt (BKA) in Österreich nutzt seine neue Gesichtserkennungssoftware auch für Ermittlungen zu politischen Versammlungen. Das berichtet die Tageszeitung „Der Standard“ unter Berufung auf nicht näher bezeichnete Dokumente. Demnach wertet die Polizei mit der Anwendung Bilder von Demonstrationen aus, die im Sommer im Wiener Stadtteil Favoriten stattgefunden haben. Damals hatten türkische Rechtsextreme zuerst feministische und anschließend kurdische sowie antifaschistische AktivistInnen attackiert und verletzt. In den mehrtägigen Auseinandersetzungen wurde auch ein linkes Zentrum angegriffen.

Laut den Informationen des „Standard“, bei denen es sich um Ermittlungsakten handeln könnte, wurde die Gesichtserkennung zur Identifizierung der beteiligten AntifaschistInnen genutzt. Dabei seien 47 bekannte Personen ermittelt worden. Ob auch die Bilder von Rechtsextremen damit analysiert wurden, erfuhr das Medium nicht.

 

Österreichs BKA testet weitere Anwendungen

Die Auswertung des Versammlungsgeschehens ist einer der ersten Einsätze der Gesichtserkennung im Regelbetrieb, der laut der Antwort auf eine parlamentarische Anfrage am 1. August begann. Innenminister Karl Nehammer zufolge ist die Software in die „EDV-Umgebung des Bundesministeriums für Inneres integriert“ worden. Die Technik stammt von der in Dresden ansässigen Firma Cognitec Systems, das Innenministerium hat dafür 448.813 Euro bezahlt.

Seit Ende vergangenen Jahres haben die ErmittlerInnen insgesamt 581 Suchläufe mit dem Gesichtserkennungssystem von Cognitech durchgeführt. Dabei wurden Lichtbilder unbekannter TäterInnen mit Lichtbildern aus der erkennungsdienstlichen Behandlung früherer Straftäter abgeglichen. Wie viele Fotos und Personen in dieser Referenzdatenbank gespeichert sind, bleibt offen. In 83 Fällen soll die Software bislang unbekannte TäterInnen identifiziert haben.

Nach jedem Suchlauf werden den ErmittlerInnen 30 Bilder angezeigt, die eine definierte „Übereinstimmungswahrscheinlichkeit“ aufweisen. Dieser Schwellwert basiert auf den Algorithmen von Cognitech, die laut dem Innenministerium „wie bei allen solchen Systemen“ das Betriebsgeheimnis des Herstellers sind.





Brillen und Schals beeinflussen die Ergebnisse

Im Testbetrieb habe das BKA keinen Unterschied bei den Ergebnissen hinsichtlich des Geschlechtes festgestellt. Unterschiedliche Erkennungsraten je nach Hautfarbe der Betroffenen wurden offenbar nicht getestet. Schlechtere Belichtungsverhältnisse könnten jedoch zu einem schlechteren Ergebnis führen. Auch Kopfbedeckungen, Brillen, Schals sowie „allfällige Neigungs- oder Drehwinkel des Kopfes“ beeinflussen den Erfolg eines Abgleichs.

Hinsichtlich der Lichtverhältnisse oder Bildverzerrungen können die Lichtbilder jedoch „mit verschiedenen Programmen optimiert werden“. Hierfür werden im BKA neue Rechner und hochauflösende Bildschirme angeschafft. Nächstes Jahr sollen auch die Landeskriminalämter an das Gesichtserkennungssystem angeschlossen werden. Trotz der erfolgten Beschaffung werden in Österreichs BKA weitere „Programme bzw. Tools“ getestet. Dabei werden auch Schnittstellen zu bestehenden Datenbanken genutzt.

54.000 Abfragen in der deutschen Lichtbilddatei

Auch das deutsche Bundeskriminalamt nutzt für seine Gesichtserkennung ein System von Cognitech. In der Lichtbilddatei, die zur bundesweiten INPOL-Datei gehört, sind etwa fünf Millionen durchsuchbare Fotos gespeichert. Die Abfragen nehmen jährlich deutlich zu, letztes Jahr haben deutsche Polizeien rund 54.000 Suchläufe durchgeführt. Auch die Erfolgsquote steigt. Nach dem G20-Gipfel in Hamburg hatte auch die dortige Polizei das Gesichtserkennungssystem beim BKA genutzt, dabei wurden jedoch nur drei unbekannte Tatverdächtige identifiziert.

Der Hamburger Datenschutzbeauftragte hatte der Polizei die weitere Nutzung des Systems untersagen wollen, das Verwaltungsgericht hat eine entsprechende Weisung schließlich gekippt.

Die EU-Kommission will Abfragen von Gesichtern zukünftig europaweit ermöglichen. Hierzu soll der Prüm-Rahmen genutzt werden, in dem bislang Abfragen von DNA-Sequenzen oder Fingerabdrücken erfolgen. Im Mai hat die Kommission hierzu eine Machbarkeitsstudie der Beraterfirma Deloitte vorgelegt, die kommende Woche im EU-Parlament beraten wird. Darin werden auch Kriterien für die Aufnahme polizeilicher Lichtbilder vorgeschlagen, um die Erfolgsquote der Gesichtserkennung zu erhöhen.


Quelle: netzpolitik


Hat dir dieser Artikel gefallen? Dann teil ihn mit deinen Freunden.




Folgt uns um keinem Artikel mehr zu verpassen




news_image

Bundesfinanzminister Olaf Scholz zeigt sich zuversichtlich, dass es bald eine Rückkehr „zu einem normaleren Leben“ geben werde. Bei dem Zusammenspiel zwischen der Öffnungsstrategie, den Impfungen und dem Testen brauche es aber „eine Lösung aus einem Guss“

Read more

news_image

Sie sind kaum mehr als kriechender Schleim - doch sie lösen komplexe Aufgaben. Dabei hilft ihnen anscheinend eine Art Gedächtnis.

Read more

news_image

UNO veröffentlicht Zahlen zu zivilen Opfern. BRD will Bundeswehr-Einsatz verlängern

Read more

news_image

Der umstrittene Tierschützer Erwin Kessler zog gegen Wikipedia vor Gericht – mit Erfolg. Das Online-Lexikon muss Inhalte über ihn löschen. Das Urteil dürfte Nachahmer ermutigen.

Read more

news_image

Mannheim.Nun ist sie aufgehoben - nach fast drei Monaten gilt die nächtliche Ausgangssperre ab Samstag nicht mehr und die Mannheimer dürfen auch nach 21 Uhr wieder auf die Straße gehen. Per Allgemeinverfügung hat die Stadt Mannheim am Freitagabend die Spe

Read more


allnews_image

Ab Sonntag gibt es in Israel eine „Zwei-Klassen-Gesellschaft“: Ein grüner Pass verschafft Geimpften Zutritt zu Theatern, Hotels und Schwimmbädern. Sogar das Reisen wird wieder möglich. Schlechte Nachrichten gibt es für deutsche Touristen.

Voir plus


allnews_image

Nach historischem Friedensschluss kooperieren immer mehr Institutionen und Organisationen aus Israel und den VAE

Voir plus


allnews_image

Großbritannien: Skandal um Nahrungsmittelpakete für arme Schüler. Verantwortliches Unternehmen mit guten Beziehungen zu Regierung

Voir plus


allnews_image

Aufgrund weiter hoher Infektionszahlen in der Corona-Pandemie ist der Lockdown in Deutschland bislang bis Ende Januar terminiert. Wie es weitergeht, wollen Bund und Länder am 19. Januar besprechen.

Voir plus


allnews_image

Mit dem Protest gegen die Trump-Sperre in sozialen Medien vollziehe die Bundesregierung eine 180-Grad-Wende in ihrer Politik gegen Hassrede, meinen Beobachter.

Voir plus


allnews_image

Twitter-Chef Dorsey hat seine Entscheidung, Trumps Nutzerkonto zu sperren, verteidigt. Zugleich übte er Selbstkritik und sprach von der Gefahr, wenn ein Unternehmen unkontrollierte Macht habe.

Voir plus



allnews_image

Der Lockdown wird bis zum 31. Januar verlängert - und besonders die Kontaktbeschränkungen verschärft. Private Treffen sind nur noch mit einer Person aus einem anderen Haushalt möglich.

Voir plus


allnews_image

Eigentlich wollten die Ministerpräsidenten der Länder mit Kanzlerin Angela Merkel (CDU) am Dienstag ab 11 Uhr über eine Verlängerung des Lockdowns beraten. Nach Informationen von Business Insider ist der Termin jedoch geplatzt, der Gipfel um mindestens z

Voir plus


allnews_image

Ein längerer Lockdown scheint sicher. Doch was bedeutet das für die Schulen? Eine einheitliche Linie zeichnet sich vor der heutigen Kultusministerkonferenz noch nicht ab. Auch die Koalitionspartner in Bayern sind sich offenbar noch nicht einig.

Voir plus


allnews_image

Etwa 240 israelische Bürger erkrankten an COVID-19, nachdem sie die erste Dosis des Pfizer/BioNTech-Impfstoffes erhalten hatten. Die Hersteller verweisen darauf, dass der Infektionsschutz von 95 Prozent erst eine Woche nach der zweiten Dosis erreicht werd

Voir plus


allnews_image

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hat am Dienstagabend betont, dass es wohl auch nach dem 10. Januar 2021 weitere Maßnahmen im Kampf gegen das Coronavirus geben wird. „Stand heute sind wir mit den Zahlen bei weitem noch nicht da, wo wir hin müss

Voir plus


allnews_image

Feuerwerk und entsprechende Verletzungen sollen das Gesundheitssystem nicht zusätzlich belasten: Der Bund hat deshalb die "Überlassung" von Feuerwerk bundesweit verboten. Zuvor hatten Gerichte ähnliche Regeln der Länder gekippt.

Voir plus


allnews_image

Kryptowährungen haben im Zuge der Coronakrise massiv an Wert gewonnen. Insbesondere der Bitcoin wird als Wertspeicher, aber auch als Zahlungsmittel attraktiver. Könnte er gar den US-Dollar als Reservewährung ablösen? Ein Morgan Stanley-Analyst teilt seine

Voir plus


allnews_image

Dover/Manston (dpa) Seit Tagen warten zahlreiche Lastwagen in Südostengland auf die Ausreise nach Frankreich. Nun stehen die Grenzen wieder offen - aber nur bei negativem Corona-Test. Noch immer geht es nicht voran.

Voir plus


allnews_image

Zum Jahresende schließt das Krankenhaus in Ingelheim am Rhein, wie zuvor zwölf andere Kliniken seit Pandemiebeginn. Ein Bündnis hält dagegen

Voir plus


allnews_image

Klein wie ein Kabinenroller, aber vollkommen autark. Aptera verkauft ein Mini-Auto, das niemals an die Steckdose muss.

Voir plus


allnews_image

Auf meinem Smartphone gibt es 160 Apps. Was sie tatsächlich tun, weiß ich nicht. Aber ich habe beschlossen, es herauszufinden.

Voir plus


allnews_image

Wenn sie nicht von einer so angesehenen Quelle käme, würde diese Nachricht ohne Weiteres ignoriert werden.

Voir plus


allnews_image

DEN HAAG. Restaurants in den Niederlanden wollen sich dem Teil-Lockdown widersetzen und öffnen, falls die Maßnahmen nicht bis Mitte Januar gelockert werden.

Voir plus


allnews_image

Bundeskanzlerin Angela Merkel spricht am 18. November mit dem hessischen Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) über die epidemische Lage.

Voir plus




allnews_image

Alte Staudämme zu entfernen, ist weltweit geradezu in Mode, denn es hat verblüffende Folgen für die Natur. In Deutschland aber bleibt der Nutzen begrenzt.

Voir plus


allnews_image

MÜNCHEN - Es war ein Gipfel voller Nicht-Beschlüsse: Die letzte Bund-Länder-Sitzung unter der Leitung von Bundeskanzlerin Angela Merkel sorgte für ordentlich Kritik quer durch Deutschland. Nun soll dem "Münchner Merkur" ein exklusives Papier vorliegen, da

Voir plus


allnews_image

Im Bundestag wurde heute für die Änderung des Infektionsschutzgesetzes gestimmt. Der Antrag erhielt 415 Ja-Stimmen, 236 Abgeordnete waren dagegen und es gab acht Enthaltungen. Der Bundesrat hat dem Gesetz bereits zugestimmt.

Voir plus


allnews_image

Das „Rädern“ gehörte zu den brutalsten Strafen des Mittelalters. In einer Zeit, in der es weder Fernsehen noch Acht-Stunden-Tag gab, lockte es zudem zahlreiche Zuschauer an. Doch die trieb nicht einfach perverser Voyeurismus.

Voir plus


allnews_image

George Orwell – Journalist, Autor, Sozialist. Seine Dystopie „1984“ stellt auch heute noch einen bemerkenswert zutreffenden Kommentar zur Gegenwart dar. (imago / Leemage)

Voir plus