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Biolebensmittel für jeden – vollkommen unrealistisch?

26 January 2019, 16:37

Ernaerung





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Quelle Image:  Unbekannt

 

Wenn du dich mit dem Thema gesunde Ernährung auseinandersetzt, wirst du unweigerlich auf das Thema Essensqualität stoßen. Sicher wirst du bereits auf viele Argumente gestoßen sein von denen, die absolute Befürworter von biologisch angebauten Lebensmitteln sind, z.B. die Auswirkungen von Glyphosat auf unsere Darmflora und damit auf unsere gesamte Gesundheit. Gleichzeitig wirst du selbst sicher manchmal schlucken, wie teuer die Lebensmittel im Biomarkt sind und du wirst auch Personen in deinem Umfeld haben, die die Nase über diesen unsinnigen Hype rümpfen und es überhaupt nicht einsehen, soviel Geld für Nahrungsmittel auszugeben. Bioernährung sei ein realitätsferner moderner Trend.


 

Im Zuge meines Biologiestudiums besuchte ich mit meinem Kurs einmal den BASF und man teilte uns in einem zunächst einmal sehr vernünftig klingenden Vortrag mit, warum die Entwicklung und der Einsatz von Pestiziden absolut unverzichtbar sei, um die Erträge zu steigern und die Bevölkerung zu ernähren. Die Zahlen und Fakten, die uns genannt wurden, klangen zunächst einmal sehr plausibel.

Ist es wirklich so? Ist es utopisch, sagen wir zunächst einmal, alle Deutsche oder Mitteleuropäer mit Bio-Nahrung zu versorgen? Das Problem ist, wenn dir eine Statistik präsentiert wird, ist dass sie nichts über all die Daten aussagt, die dir hier NICHT präsentiert wurden.

 

Ertragsunterschiede

Eine Metaanalyse des Berkeley Food Institutes aus 115 Studien ergab zunächst einmal, dass Bio-Landbau 19,2% weniger Erträge einfährt als die konventionelle Landwirtschaft. Untersuchte man allerdings spezielle Anbaumethoden des biodynamischen Landbaus wie Mischkulturen, Permakultur oder widerstandsfähige Züchtungen, so schrumpfte dieser Unterschied auf nur noch 8-9%. Beim Anbau von Hülsenfrüchten waren beide sogar gleichauf.

 




 
Die versteckten Kosten

Bedenkt man den Energieaufwand für die künstliche Düngemittelproduktion und die Folgen der Umweltbelastung durch die konventionelle Landwirtschaft, so kommt einem das herkömmliche Gemüse plötzlich gar nicht mehr so “günstig” vor. Wir sind dabei, uns in eine Sackgasse verheerenden Ausmaßes zu manövrieren, was unsere Lebensgrundlage gefährdet.

Kunstdünger kann lebensfähige Pflanzen hervorbringen, doch kommt es zu einem rasanten Anstieg von Mangelerscheinungen in der Bevölkerung an bisher vernachlässigten Mikronährstoffen, die die Pflanze selbst nicht für ihr direktes Überleben braucht, aber wir Menschen für ein funktionierendes Immunsystem. Ein Grund, warum so viel an “Pflanzenschutzmitteln” eingesetzt werden muss, ist aber tatsächlich, dass auch das Immunsystem der Pflanzen an sich unter diesen Nährstoffmängeln in den Keller geht und sie nur noch von außen vor mikrobiellem Befall geschützt werden können. In einer Vorlesung des Instituts füt Pflanzenernährung an der Justus Liebig Universität Gießen stellte eine Referentin mir und den anderen Studenten sogar eine Methode vor, wie man gezielt gewisse Nährstoffe in den Düngemitteln austauschen kann, um Geld zu sparen und für Bergbaunebenprodukte noch eine gewinnbringende Verwendung zu finden.

Verdichtete und erodierte Böden sind allerdings auch mit den besten Düngemethoden nicht mehr zu retten, die natürliche Bodenentstehung dauert Jahrhunderte. Genauso wie in unseren Därmen verarmt auch die gesunderhaltende Mikroflora unserer Böden durch die unnatürliche Bewirtschaftung. Als Folge muss mit immer größerem Aufwand und Kosten von außen durch den Menschen reguliert werden.

Wer nur in wirtschaftlichen Dimensionen denkt und Naturschutz für Liebhaberei hält, dem kann man direkte Werte vorlegen, die sogenannte Ökosystemdienstleistungen erbringen, z.B. für Luft- und Wasserreinigung, das Bestäuben von Nutzpflanzen durch Insekten oder Schädlingsbekämpfung. In Amerika schätzt man eine Ersparnis von einer Milliarde US-Dollar im Jahr durch Fledermäuse, die den Baumwollkapselbohrer vertilgen, der durch Fraßschäden und daraus resultierendem Pilzbefall an Mais für große Ernteverluste sorgt. Mehrere Tausend Insekten schafft eine Fledermaus pro Nacht. Fledermäuse gehören mit zu den größten Verlierern der modernen Landwirtschaft und Umweltzerstörung, einige Arten sind akut vom Aussterben bedroht.

Spätestens unsere nachfolgende Generation wird aufgrund unseres Tunnelblicks vor immensen Kosten bis hin zu unlösbaren Problemen stehen. Schon heute zahlen wir hintenrum durch Steuern auf unsere scheinbar so günstigen Lebensmitteln gehörig drauf.

Als Selbständige in Deutschland, die ordentlich zur Krankenkasse gebeten wird, bereitet es mir Bauchschmerzen, wenn ich bedenke, dass ich so viel eigenverantwortlich in meine Gesundheit investiere durch Therapien, die nicht vom System übernommen werden, und gleichzeitig die finanziell mittrage, die sich nicht um einen gesunden Lebensstil kümmern und mache mir Sorgen, wie unsere Gesellschaft das irgendwann noch stemmen kann.

 

Brauchen wir wirklich mehr?

 

1947 galt noch die Hälfte der Weltbevölkerung als unterernährt. 2017 waren es nur noch ca. 10,9%. Die Zahl der Übergewichtigen dagegen wächst stetig. 2017 galten 5,6% der Kinder weltweit als übergewichtig (davon ca. die Hälfte davon in Asien und ein Viertel in Afrika lebend) und 13,2% der Erwachsenen. An der Masse dessen, was wir produzieren, kann es also nicht liegen, wenn wir bald doppelt so viele Übergewichtige wie Untergewichtige haben.

Dient denn all das, was angebaut wird, unserer wirklichen Nährung, unserer Mikronährstoffversorgung? Der Zuckeranbau umfasst ca. 5% der globalen Agrarproduktion! Das finde ich eine ganze Menge für ein Produkt, das so weiterverarbeitet wird, dass es am Ende völlig frei von Mikronährstoffen ist. Zuckerrohr ist dabei das insgesamt sechstgrößte Anbauprodukt weltweit mit 3,3% und Zuckerrüben finden wir auf Platz 12 mit ca. 1,7%. Daten für Großbritannien und Deutschland zeigen, dass Zuckerrüben sogar fast doppelt so viel angebaut werden wie Kartoffeln.

Bei den weltweit am häufigsten angebauten Feldfrüchten (auf die sich die Entwickler von Spritzmitteln und transgenen Pflanzen konzentrieren) handelt es sich um Mais, Weizen und Reis, auch alles wieder Lebensmittel, die nicht mit Nährstoffdichte glänzen und denen vieles fehlt, das eine gesunde Zelle benötigt.

Auch das Übergewicht ist eine Ausprägung einer Mangelernährung. Fehlt es an Mikronährstoffen, signalisiert uns unser Gehirn ständig weiter Hunger und Gelüste, selbst wenn wir unseren Kohlenhydratbedarf schon weit überschritten haben. Unser Körper fühlt sich wie in der Wüste. Wir müssen also größere Mengen an Lebensmitteln vertilgen, um uns einigermaßen gesättigt zu fühlen. Weiterhin kommt es zu Fehlregulationen im Immunystem, Organe wie Darm, Leber und Schilddrüse arbeiten nicht mehr richtig, was ebenfalls Gewichtsprobleme begünstigt (in beide Richtungen). Durch die einseitige Ernährung beginnt unser Körper, Intoleranzen gegen diese Lebensmittel zu entwickeln. Psychische Probleme nehmen stark zu, denn unser Gehirn ist eine wahre Verbrennungsmaschine für Makro- und Mikronährstoffe. In einem unterversorgten Körper fühlt man sich nicht wohl, es ist mehr ein Überleben als wahre Lebensqualität.

Zurück zu den Anbauflächen: Hinzu kommen Genussmittel und Güter, für die ebenfalls Anbaufläche belegt und der Boden belastet wird wie Baumwolle für die Kleiderproduktion (unser Kleiderkonsum sorgt für verheerende Umweltbelastung heutzutage), Tabak, Alkohol, Drogen, Kaffee, Schokolade, aber auch “Bio”-Treibstoff und Futtermittel für die Massentierhaltung.

Und das, was dann wirklich für den menschlichen Verzehr Verwendung finden darf? Wie kann es zu wenig sein, wenn man bedenkt, dass allein die Deutschen jedes Jahr rund 18,4 Millionen Tonnen an Lebensmitteln wegwerfen? 40% davon fallen in Privathaushalten an, ca. 100kg pro Kopf und Jahr, der Rest geht in der Gastronomie und bei der Produktion verloren, der größte Teil vermeidbar. Es wäre ein Leichtes, weitaus mehr Menschen satt zu bekommen, als auf diesem Planeten leben, auch mit etwas verminderten aber dafür nährstoffgeballten und sinnvoll eingesetzten Erträgen.

 





Es beginnt immer beim Einzelnen

Aufs System zu schimpfen ist eine Sache, doch genauso, wie es sich für meine Gesundheit bewährt hat, kann ich auch nur hier wieder sagen: Veränderung muss beim Einzelnen beginnen. Wir müssen selbst die Verantwortung in die Hand nehmen und ich habe es bislang nur als belohnend erlebt. Klar, wenn ich zu sehr darüber nachdenke, tut es mir auch weh, wie viele noch ohne darüber nachzudenken am Leerfressen dieses Planeten teilhaben, aber mein größter Hebel, an dem ich ansetzen kann, bin und bleibe ich selbst, meine täglichen Entscheidungen. Ich stimme mit meinem Geldbeutel darüber ab, was angeboten wird. Wird ein Produkt nicht mehr gekauft, wird die Produktion eingestellt. Ich habe einen Verwandten, der beim BASF arbeitet, und mittlerweile selber für seine Familie Biolebensmittel kauft.

Was mir zunehmend auffällt, sind die brachliegenden Gärten und Schrebergärten mit den ungenutzten Gewächshäusern in meinem Ort, und es macht mich traurig. Der Durchschnittsbürger verschwindet für 9 Stunden täglich im Büro, arbeitet für andere und muss sich dann darauf verlassen, das erarbeitete Geld beim Großanbieter für fertige Lebensmittel eintauschen zu können, um ernährt zu werden. Dann muss er noch Geld für Fitnessstudio und Physiotherapeuten ausgeben, weil er den ganzen Tag sitzt und kriegt als Folge der “Käfighaltung” Depressionen.

Gibt es nicht die Zwischenlösung? Ich weiß, es ist nicht immer einfach, aber jeder kleine Schritt in eine bessere Richtung hilft. Patrick und ich leben noch zur Miete, durften uns aber ein wunderbares Hochbeet bauen, das uns, geschickt bewirtschaftet, nicht übel und vor allem superfrisch und vielfältig versorgt. Zusätzlich ziehen wir uns Sprossen und Kräuter in der Küche. Meine Schwiegergroßeltern haben bis zuletzt mit “Biolebensmitteln” nichts anfangen können, weil sie schlichtweg das Konzept nicht verstanden, denn früher war alles Bio, da musste man sich über diese Unterschiede überhaupt erst gar keine Gedanken machen.

 

Es geht um so viel mehr als die Ernährung

Zahlen, Daten und logische Argumente schön und gut, doch eigentlich wissen wir es doch bereits besser und ich habe ehrlich gesagt noch nie erlebt, dass reines Aufzählen von Wissen und Tatsachen etwas ändert. Da müssen wir tiefer blicken, worum es hier wirklich geht.

Es ist einfach Fakt: Ein Großteil unseres Konsums findet nicht statt, weil wir uns vor der Kälte schützen müssen (dann würden drei Pullover genügen statt 13), auch essen wir oft gar nicht aus Hunger. Mir war es früher egal, denn ich nahm sowieso nicht zu. Meine Achtsamkeit in Bezug auf Ernährung kam erst auf, als ich merkte, welche Auswirkungen sie auf mein Immunsystem, auf mein körperliches und mentales Wohlbefinden hat. Und trotz dieser phänomenalen Erfahrungen, und sogar obwohl ich inzwischen in diesem Bereich professionell tätig bin, so fällt es selbst mir in gewissen Phasen oder Situationen manchmal noch schwer, nicht in die Stressessen-Falle zu tappen.





Das ist es, was ich wirklich hinter dem Ganzen sehe. Wir essen unseren Planeten leer, um unsere innere Leere zu füllen, um unsere Ängste oder auch überschwingende Freude zu dämpfen, uns geerdet in unserem Körper zu spüren, um uns genug zu stimulieren, um das tägliche Arbeitspensum zu schaffen und die Reizüberflutung verarbeiten zu können.

Gleichzeitig sehe ich, dass je mehr ich heile, und zwar in allen Lebensbereichen, und mich meinen Baustellen stelle, desto zufriedener bin ich einfach in mir selbst, im Moment. Und das ist das, was ich dir gerne für heute mit auf den Weg geben möchte: Sei dir gewiss, dass du auf dem richtigen Weg bist, wenn du beginnst, mehr zu Biolebensmitteln zu greifen und deinen Konsum überdenkst, und dass es dafür mehr als genug Argumente gibt, auch wenn andere dagegen reden und noch nicht so weit sind, sich der Wahrheit zu stellen.

Tue das, was du im Augenblick zu tun vermagst und gehe weiterhin deinen Weg, herauszufinden, wer DU wirklich bist, was deine Wahrheit ist und welche Lebensweise dir wirklich gut tut. Nähre dich gut auf der körperlichen wie geistigen Ebene, und du wirst sehen,  wie wunderbar satt und zufrieden man sich fühlen kann. Und je mehr Menschen sich größtenteils satt und zufrieden fühlen, desto eher wird auch dieser Planet anfangen zu heilen.


Quelle: Philosophie des gesund werdens


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