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»Man kann Gesundheitsschutz nicht nachrangig betrachten«

23 August 2020, 12:16

Politik





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Hessen: Eltern, Lehrer und Bildungsgewerkschaft kritisieren Schulöffnung als planlos. Ein Gespräch mit Birgit Koch


 

Angesichts steigender Infektionszahlen hat in Hessen Kultusminister Alexander Lorz, CDU, Ende vergangener Woche festgelegt, dass sich in den Schulen außerhalb des Unterrichts alle mit Maske schützen sollen, im Unterricht ist sie nicht verpflichtend. Was halten Sie davon?

Nichts. Lorz hat wenige Tage vor Schulbeginn verfügt, dass in den Gängen der Schulen und in den Pausen Masken getragen werden sollen, nicht aber im Klassenraum. Auf dieses Hilfsmittel zu verzichten und den Regelbetrieb anzuordnen, halten wir angesichts der steigenden Zahlen infizierter Menschen für falsch. Am Montag gab es bereits erste Klassenschließungen, weil einzelne Schüler infiziert waren. In Bad Nauheim und in Homberg mussten jeweils Schülerinnen und Schüler einer Klasse in Quarantäne.

 

Was kritisieren Sie am hessischen Regelwerk?

Die Zeit während der Sommerferien wurde nicht genutzt, um Lösungen für den Schutz in den Schulen zu finden. Während es gesellschaftlich weitgehend Konsens über Verhaltensregeln wie Abstand halten, Hygiene und das Tragen einer Alltagsmaske gibt, sind die Klassen voll mit bis zu 30 Schülern – ohne Abstand und Masken. Die Räume können kaum gut gelüftet werden. Schulen liegen häufig an Straßen, so dass es im Unterricht zu laut werden würde. Im Herbst und Winter wird es aufgrund zu erwartender Kälte noch problematischer.

Es herrscht entsetzliche Konzeptlosigkeit. Wir fragen uns, welches Verständnis von Demokratie und Mitbestimmung dahinterstehen mag. Um herauszufinden, wie ein sinnvoller Schulbetrieb nach den Ferien aussehen kann, hat es das Ministerium offenbar nicht für nötig befunden, sich auszutauschen, weder mit uns als Lehrergewerkschaft oder anderen Lehrerverbänden noch mit den Schulleitungen, Eltern- und Schülervertretungen oder den Virologen.





Wer ist mehr verärgert, die Lernenden, die Lehrenden oder die Eltern?

Von Eltern erhalten wir entsetzte Briefe. Sie können es nicht fassen, dass die Aussetzung der Schulpflicht aufgehoben wurde und sie nun ihre Kinder ohne Schutz in die Schule schicken müssen, weil sie sich sonst strafbar machen. Insbesondere Menschen mit Vorerkrankungen haben Angst, sich so der Gefahr einer Ansteckung mit dem Virus auszusetzen. Gleichermaßen sind Kolleginnen und Kollegen aus dem Lehrkörper besorgt, in den Klassenräumen ohne jeglichen Schutz zu sein. Zumal es durch Urlaubsrückkehrer aktuell besonders riskant ist.

Infektionstests erfolgen zu zögerlich, das Übermitteln von Ergebnissen auch. In Bad Nauheim war ein Schüler vor Schulbeginn nicht getestet worden; dass er positiv war, stellte sich im Nachhinein heraus. In einigen Schulen hat man sich darauf geeinigt, für die nächsten zwei Wochen eine Maskenpflicht im Unterricht festzulegen. Das Virus ist ja nicht weg, nicht mal beherrschbar. Wir finden es skandalös, dass das Hessische Kultusministerium nichts regelt.





Was schlagen Sie vor?

Bei erhöhtem Infektionsgeschehen, wie aktuell gegeben, müssen Lerngruppen wieder verkleinert werden. Verschiedene Modelle, die Schulen schon vor den Sommerferien entwickelten, haben gut funktioniert. Es war mehr Ruhe, konnte besser gelernt werden. Für die Woche oder die Tage, in denen die Schülerinnen und Schüler zu Hause sind, werden Arbeitspläne erstellt und zusätzliche Videosprechstunden angeboten sowie Förderangebote sichergestellt.

Es kann nicht sein, einfach den Regelbetrieb anzuordnen, weil die Wirtschaft laufen muss; den Gesundheitsschutz als nachrangig zu betrachten, und das Schließen von Klassen dann den Gesundheitsämtern zu überantworten. Wir sind uns darüber einig mit vielen Schulleiterinnen und Schulleitern. Auch die Opposition im Landtag kritisiert das planlose Vorgehen der schwarz-grünen Landesregierung. Wir treffen uns mit der Landesschülervertretung sowie dem Landeselternbeirat und werden versuchen, Druck zu entwickeln.


Quelle: jungewelt


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